„Castelbuono“ in Umbrien: die Schildkröte als Schutzherrin des „Montefalco Sagrantino“

Wie der „Carapace“ bei Montefalco beweist, ist Wein nicht nur ein erlesenes Genussmittel, sondern auch Anreiz für grandiose architektonische Projekte.

Text und Fotos: Richard Brütting

Das Weingut als bewohnbare Skulptur

Das Weingut als bewohnbare Skulptur
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Montefalco – Das Weingut, ein Kunstwerk? Dieser Herausforderung stellte sich der italienische Stararchitekt und Bildhauer Arnaldo Pomodoro, ein Freund der Winzerfamilie Lunelli. Ab dem Jahr 2005 schuf er den „Carapace“, eine einzigartige bewohnbare Skulptur, die – sich in die überwältigende Kulturlandschaft Umbriens einfügend – als Schrein für einen großen Wein, den Montefalco Sagrantino DOCG (kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung), dient. Der große Plan von Arnaldo Pomodoro war, dem Wein eine Herberge zu schaffen, in der Wohnen und Arbeiten im Zwiegespräch mit Natur und Kunst stehen. 

Ein gewaltiger zentraler Bogen überwölbt eine ovale, mit Kupferplatten bedeckte Kuppel, die auf beiden Seiten von jeweils sechs Halbbögen abgestützt wird. Die im Juni 2012 eingeweihte Konstruktion gleicht einer Schildkröte, dem Symbol von „Stabilität und Langlebigkeit sowie der Vereinigung von Himmel und Erde“. Das Innere des Kuppelbaus stellt das Skelett des Tiers dar; in der Farbgebung ähnelt das Deckengewölbe aber eher kubistischen Gemälden von Juan Gris, Georges Braque und Pablo Picasso. Ein Stockwerk tiefer befindet sich das Weinlager. Man gelangt dorthin über eine Wendeltreppe, die der Stufenpyramide (Zikkurat) im Gemälde „Turmbau zu Babel“ von Pieter Breughel d. Ä. nachempfunden zu sein scheint. In der Nähe des Kuppelbaus erblickt man ein turmartiges Bauwerk, eine Art Ausrufezeichen, dessen Rot einen markanten Kontrast zu den gedeckten Farben des Hauptgebäudes bildet.

Die aus dem Trentino stammende Familie Lunelli eröffnete 1929 in Trient die erste Vinothek, 1952 kaufte sie ein Weingut von

Der Winzer inmitten seiner Schaetze Zum Vergrößern: Klick auf das Foto

Der Winzer inmitten seiner Schätze
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Giulio Ferrari, einem Adeligen mit Interesse für die Produktion feinperliger Schaumweine. Hinzu kamen Weinberge in der Toskana und 2001 der Erwerb des umbrischen Weinguts „Castelbuono“. Neben Spitzenweinen aus zertifizierter biologischer Produktion, die 24 Monate nicht in Barriques, sondern in großen Eichenfässern reifen, um nicht den hohen Tanningehalt des Sagrantino zu verstärken, ist besonders die ausgezeichnete Küche zu loben. Als Vorspeisen kostete ich mit Ziggurat-Wein verfeinerte Leberpastete, hausgemachte Salami und Ricotta mit roten Zwiebeln aus Cannara. Dann folgte eine Kichererbsensuppe mit einer Einlage aus Ziegenfleisch und Kochwurst, gratinierte Tagliatelle mit Pecorino. Zum Passito, einem Strohwein aus Sagrantino-Trauben, gab es Schokoladentorte mit Zabaione und Plätzchen. 

Marcello und Alessandro Lunelli

Marcello und Alessandro Lunelli
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Info:
Tennuta Castelbuono
Vocabolo Castellaccio, 9I

Die grandiose Kuppel des Carapace

Die grandiose Kuppel des Carapace
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Bevagna
www.tenutacastelbuono.it
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

03-03-2015

Reisereportagen | Tags: ,

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