Sagrantino: der Wein, der Teufel austreibt

Bei einer Reise durch Umbrien lassen sich ungeahnte Weinschätze entdecken, so der diabolischen Mächten abholde Montefalco Sagrantino.

Text und Fotos: Richard Brütting

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Das historische Rathaus von Montefalco

Montefalco – Der Sagrantino ist die für das Anbaugebiet Montefalco typische Rebsorte. Sie wurde von Franziskaner-Mönchen aus Kleinasien (oder aus Spanien?) eingeführt und vornehmlich zur Herstellung von Messwein verwendet. Die übliche Form der Vinifikation war jahrhundertelang die Vergärung luftgetrockneter, rosinierter Trauben zu „Strohwein“ (passito). Der Sagrantino hat weltweit den wohl höchsten Tannin-Gehalt und enthält zahlreiche Antioxydantien; dadurch ist er zwar gesundheitsfördernd und eignet sich hervorragend für eine lange Ablagerung (die er auch benötigt), aber entsprechend schwierig ist es, aus diesem Gewächs nicht nur einen gut trinkbaren Wein, sondern einen edlen Tropfen zu bereiten, der keinen Vergleich mit anderen Spitzenweinen zu scheuen braucht. Und diesem Ziel haben sich erfolgreich die Winzer der Gegend um das mauerbewehrte umbrische Bergstädtchen mit großem Engagement, ja mit wahrer Leidenschaft verschrieben, wie eine vergleichende Verkostung 15 Jahre alter Weine (Chianti, Brunello di Montalcino, Barbaresco, Barolo, Taurasi und Sagrantino) bewies, die unter Leitung von Gianni Fabrizio (Gambero Rosso) im Rathaus von Montefalco stattfand.

A propos „Teufelsaustreibung“: Wenn in vergangenen Jahrhunderten ein Mensch geisteskrank – nach damaliger Ansicht „vom Teufel besessen“ – war und ihr weder der Salbader mit seinen Mixturen und Arzneien noch der im Dörfchen Scacciadiavoli wirkende Exorzist mit Gebeten und Beschwörungen helfen konnten, wurde das arme Wesen mit Wein, in Montefalco selbstverständlich mit Sagrantino passito, bis zur Trunkenheit abgefüllt. Manchmal soll diese Kur geholfen und die Person tatsächlich von ihren „Teufeln“ erlöst haben.

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Romantische Gasse in Montefalco

Ganz im Gegensatz zu dieser geschichtsträchtigen Kellerei ist das erst 2011 gegründete, jedoch einer auf jahrzehntelangen Familientradition beruhende Weingut „Le Cimate“ mit modernster Technologie ausgestattet. Die Einrichtung und alle Produktionsschritte werden elektronisch überwacht und können per Touchscreen gesteuert werden. Energetisch ist der gesamte Betrieb durch die Nutzung der Sonne autonom. Dies entspricht den neuen Tendenzen im Weinbau hin zu einer „Green Economy“: nachhaltige Produktion, Schonung der Ressourcen usw. Die Rebfläche von 19 ha ist mit je 4.200 Weinstöcken pro ha bepflanzt. Der „Montefalco Sagrantino DOCG“ wird 20 Tage mit Schale vergoren und insgesamt 36 Monate gelagert: zuerst 8 Monate in Barrique-Fässern, dann vier Monate in großen Holzfässern. Der zum Verkauf kommende Wein hat einen Alkoholgehalt von 15,5%, einen sehr geringen Restzucker von 1,5 gr/l Liter und eine Säure von 5,4 gr/l. Der Wein lässt sich hervorragend zu kräftig gewürzten Fleischgerichten, wie gegrillten Lammkoteletts oder Kalbsbraten servieren.

Info:
Infopoint Strada del Sagrantino Piazza del Comune, 17 06036 Montefalco (Perugia) Tel. +39 0742 378490 info@stradadelsagrantino.it 
www.stradadelsagrantino.it
 
Azienda agraria Scacciadiavoli di Pambuffetti Località Cantione, 31 Montefalco Tel. +39 0742 378272/371210 scacciadiavoli@tin.it
www.scacciadiavoli.it
 
Cantina Le Cimate Azienda Agraria Bartolini Francesca Località Cecapecore, 41 06036 Montefalco Tel. +39 0742 290136 Info@lecimate.it
www.lecimate.it

 

22-10-2013

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