Menschen und Steine in Kampanien

Vielfalt der Natur zwischen Bergen und Küste im Cilento. Die traditionsreiche Gastfreundlichkeit verwandelt den Aufenthalt in ein wohltuendes Erlebnis

Text und Fotos: Elvira D’Ippoliti

Velia – Der Name „Parmenide Farm Holiday“ könnte hochtönend klingen, wenn der griechische Philosoph Parmenides nicht gleich um die Ecke geboren wäre. In diesem schönen Agriturismo kümmert man sich jedoch nicht um das Sein und seine unmögliche Veränderung, sondern vielmehr um gute Landwirtschaft und insbesondere um das Wohlbefinden der Gäste. Der hauseigene Laden wird gern und oft von den Bewohnern der Gegend besucht. Frisches Gemüse, selbst gemachte Marmelade, „pasta“ und Kekse: Alles das und vieles mehr wird  auch von der Küche verwendet, um genussvolle Gerichte vorzubereiten, die im Restaurant serviert werden. Der Rest der Zutaten hat keinen langen Weg hinter sich, und im „Parmenide“ kann man die Spitzenqualität der „dieta mediterranea“ jeden Tag kosten. In den Zimmern genießt man den ruhigen Kontakt mit der Natur, und wenn man von der sommerlichen Hitze Erfrischung sucht, kann man im großen Swimmingpool verweilen. An der nahe liegenden Bar werden auch hausgemachte Fruchtsäfte angeboten.

Die "Kathedrale im Meer"

Die „Kathedrale im Meer“

Die antike Stadt Velia liegt nur ein Paar Kilometer vom „Parmenide“ entfernt. Man wandert bergauf und schaut auf die Reste von Gebäuden, die ihre Identität in den verbliebenen Steinen hinterlassen haben. Das Thema „Stein“ in allen seinen Variationen wird auch im Geopark Cilento und Vallo di Diano aufbewahrt und studiert. Anders als in Nationalparks ist in Geoparks die Präsenz der Menschen vorgesehen. Von Vallo della Lucania aus kann ein schöner Ausflug auf den Monte Sacro, auch Gelbison genannt, und zur Wallfahrtskirche Madonna di Novi Velia starten. Die Straße schlängelt sich durch einen dichten Wald. Eine der Charakteristiken des Cilento ist die Präsenz von Meer und Hochgebirge, sodass man sozusagen einem Fischer so gut wie einem Hirten begegnen kann. Den letzten Teil des Weges muss man zu Fuß hinterlegen. In der kleinen Kirche mit der Figur Marias hinter dem Altar sind Personen aus vielen verschiedenen Ländern zum Gebet versammelt. Ihre Stimmen scheinen den engen Raum zu füllen. Danach kann man sich nähern, um die Muttergottes nochmals zu verehren. Diese beruhigende Atmosphäre kann man weiterhin auf dem Hof der Kirche genießen. Der Blick schweift auf die umliegende Landschaft, doch etwas im Panorama ist einfach spektakulär: Wiesen, Bergen, Wolken und Himmel scheinen sich in einer geschlossenen Unendlichkeit zu zeigen. Dieser Blick ist nicht leicht zu vergessen und ist auch alleine einen Besuch wert. Für Gläubige hat der Ausflug zur Madonna di Novi Velia eine tiefere Bedeutung.

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Capo Palinuro

Für alle steht etwas bergab eine interessante kulinarische Erfahrung parat. Raffaele Tangredi hat als Gastarbeiter in Frankfurt seine Karriere gestartet. Der Inhaber des Restaurants (oder Agri – Locanda, wie er es nennt) „La Diga“ hat die seltene Fähigkeit, dass er, obwohl er nicht schreiben (dafür jedoch etwas lesen) kann, zur gleiche Zeit aber wie ein Dichter über seine Reise nach Deutschland (wo er auch die deutsche Sprache gelernt hat) erzählen kann. Von der Armut seiner Familie, vom Respekt gegenüber dem Vater, von den Ängsten eines Kindes, das nicht einmal wusste, wo sich der Nachbarort befindet, und von seiner Karriere als Koch berichten er mit solch authentischer Einfachheit, dass man ihm stundenlang zuhören kann. In seiner Küche kann man ihn beim Kochen eines traditionellen Gerichtes zusehen: Die „capra bollita“ (gekochte Ziege) muss lange im Topf mit Tomaten, aromatischen Gewürzen und anderen Zutaten verweilen. Die hausgemachte Pasta ist einfach und höchstinteressant, gerade wie ihr Koch. Die verschiedenen Arten von Käse schließen eine gemütliche Pause ab.

Es ist undenkbar den Cilento zu verlassen, ohne sein Meer zu bewundern. In Marina di Ascea beginnt eine Bootstour entlang der Küste. Lange Zeit blickt man auf eine viel zu dicht bebaute Landschaft, während das Meer eine unwahrscheinliche, aber echt tiefblaue Farbe mit Silber-Reflexe zeigt. Plötzlich erreicht man eine Steinküste, die alle Geologen wegen ihrer Vielfalt lieben. Trotzdem ist man auf die Erscheinung von Capo Palinuro nicht vorbereitet: Der riesige Felsen ragt aus dem Meer empor wie eine archaische Kathedrale, dessen Architektur als höchstes Beispiel perfekter Harmonie und tiefer Spiritualität angesehen werden kann. Der fehlende Zugriff der menschlichen Hand ist hier ein Segen.

Ristorante La Diga

Ristorante La Diga

 
Info:
www.cilentoediano.it
Azienda Agrituristica Parmenide
Via Coppola 10 – Fraz. Velina – Castelnuovo Cilento
www.agriturismoparmenide.it
Agri – Locanda La Diga
Località Maddaloni – Cannalonga
www.ladiga.it
In La Diga kann man auch in schön eingerichteten Zimmern mit bezauberndem Blick übernachten
Einen Überblick über die Übernachtungsmöglichkeiten im Cilento gibt die Webseite: www.alberghicilento.it
Hier findet man auch verschiedene Ratschläge für hochinteressante Ausflüge, die von Kennern der Gegend zusammengestellt worden sind. oceano12@tin.it
 

22-10-2013

Reisereportagen | Tags:

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