Carcer Tullianum: Wo der Heilige Petrus die Römer taufte

Christentum und Archäologie bieten jedem Besucher eine Zeitreise durch die Geschichte und den Glauben

Text und Fotos: Elvira D’Ippoliti

Rom-Carcer-Tullianum-Foto-Elvira-Dippoliti (8).1Rom – Die verblassten Farben des Freskos auf der Wand des Carcer Tullianum in Rom können die Gefühle nicht dämpfen. Jesus legt auf den Bild seine Hand auf die Schulter des Heiligen Petrus. „Es ist praktisch ein Unikum“, erklärt mir Pater Giorgio Picu, „Unser Herr ist sonst immer alleine dargestellt.“ Für Gläubige hat der Besuch in diesem antiken Kerker eine tiefe Bedeutung. Hier im Dunkel eines kreisförmigen, unterirdischen Orts der Verzweiflung taufte der gefangene Petrus mehrere Personen. Als er später wieder das Licht sehen konnte, schrieb er in seinem ersten Brief: „…. Kommt zu Ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen….“. Diese antiken Steine haben viele Geschichten zu erzählen. Es waren die Römer, die sozusagen das „Bedürfnis“ hatten, die Gefangenen nach den Triumphzug auf der Via Sacra und der Registrierung im Senat des neuen, eroberten Gebietes zu beseitigen. Deshalb wurden sie durch ein Loch in diese kreisförmige Konstruktion, die jetzt den Namen des Konsuls Tullius trägt, hinunter geworfen.

Rom ist eine Stadt voller Magie. Vom Verkehr, der auf der ein paar Meter höher gelegenen Via dei Fori Imperiali pulst, ist vor dem Eingang des Carcer Tullianum nichts zu spüren. Der blaue Himmel bringt die Ruinen des Forum Romanum besser zum Vorschein. Jede Menschengeschichte hat ihre Spur gelassen, und im Carcer Tullianum wird diese Schichtung klar. Stille ist meiner Ansicht nach die beste Stimmung, um diesen Ort zu besichtigen. Im oberen Teil befindet sich die Kirche San Giuseppe dei Falegnami aus dem 17. Jahrhundert mit ihrem bemalten Oratorium. Darunter tritt man im Santuario del SS. Crocefisso, wo man das hölzerne Kruzifix verehren kann. Danach besucht man das kleine Museum mit Resten von Vasen, Münzen, antiken Opfergaben und Skeletten. Christentum und Archäologie bieten für jeden Interessenbereich genügende Gründe, um hier zu verweilen. Eine Eisentreppe führt in den Resten der Kirche San Pietro e Paolo in Carcere (8. Jahrhundert), den so genannte Carcer. Moderne Technologie vermittelt die Vorstellung, unsichtbare Teile der Fresken zu sehen. Christus und der Heilige Petrus sowie eines der ersten Bilder der Madonna der Barmherzigkeit werden von schwarzen Umrissen auf dem Bildschirm eines Tablets sichtbar. Die zwei Büsten der Heiligen Petrus und Paulus stehen hinter einen Gitter. Ich schaue mich um und lasse mich durch die Geschichte führen.

Im unteren Teil, im Tullianum, kann man die Verzweiflung der Menschen, die hier eingesperrt waren, fast noch spüren. Es war kalt, es war feucht. Die Dunkelheit und der Mangel an Hoffnung hätten die einzige Elemente eines Schicksals sein können. Aber dann denkt man an Petrus, an seine Kraft hier zu beten und zu taufen, an die Hand Jesu auf seiner Schulter, an seine Worte: Man kann glauben oder nicht, aber der Weg zu einer besseren Menschheit scheint hier klar gezeichnet zu sein.

Info:
Der Carcer Tullianum wurde von der Opera Romana Pellegrinaggi restauriert. Wichtige Funde kamen während der Arbeiten zum Vorschein und werden jetzt im Museum ausgestellt. Öffnungszeiten:
bis 15. Februar: täglich 8.30 – 16.30 Fino al 15/02/2017
Vom 16. Februar 2017 bis 15. März 2017: täglich 8.30 – 17
www.tullianum.org
www.operaromanapellegrinaggi.org/de

12-03-2018

Reisereportagen | Tags:

© Copyright TidPress
Videosequenzen
Bildergalerie
TiDPress Terra Europa