TramJazz: Rom wird Hauptstadt der Musik

Eine restaurierte Straßenbahn aus dem Jahr 1947 bietet den Fahrgästen ein raffiniertes Abendessen und ein schönes Konzert

Text und Fotos: TiDPress

1-Rom-TramJazz-Paolo-Gianfelici (2)Rom ist nicht nur die Stadt der Monumente und Museen, sondern bietet auch eine überraschende (und bewegliche) Bühne für Jazzmusik auf hohem Niveau. Die Dame, die es geschafft hat, eine Tram durch die römische Nacht kurven zu lassen, in der man gute Musik hören und ein exzellentes Abendessen genießen kann, heißt Nunzia Fiorini. Ich treffe sie in ihrem Ballad-Café im Viertel San Lorenzo. Bei einem köstlichen Aperitif mit Schaumwein aus der Region Latium und Häppchen erzählt sie, dass sie Straßenbahnen immer schon faszinierend gefunden hat. „Man kann von diesem Verkehrsmittel immer neue Überraschungen erwarten. Zum Beispiel sieht die Stadt hinter den Fenstern immer anders aus“. Dazu kommen bequeme Polstersitze, perfekt gedeckte Tische und Kerzen. Auf den Schienen in unmittelbarer Nähe des Lokals auf der Piazza di Porta Maggiore steht schon der restaurierten Wagen aus dem Jahre 1947 parat. Mit anderen Gästen setzen wir uns an einen Tisch. Wir fahren los. Die zwei Musiker, die heute auf dem Programm stehen, werden Variationen der unvergesslichen Filmmusik von Nino Rota aufführen. Beide stehen schon auf dem Drehgestell zwischen den Wagons, der auch ihre ideale Bühne ist: Natalino Marchetti am Akkordeon und Simone Alessandrini am Saxofon.

2- Rom-TramJazz-Paolo-Gianfelici (2)Die Straßenbahn fährt in Richtung der Universität La Sapienza und des Viertels Trieste Salario. Die Kellner servieren warme Vorspeisen mit Kürbis und gutem Rotwein. „Wir achten besonders darauf, dass all unsere Produkte aus unmittelbarer Nähe kommen. Hier genießt man den sogenannten ‚chilometro zero’ (km Null) aus der Region Latium“, erzählt Nunzia weiter. Besonders gut finde ich den Artischocken-Auflauf, aber auch der klassische (und nicht mehr leicht zu findende) ‚saltimbocca alla romana’ (Fleisch mit Schinken) schmeckt einfach Spitze. Als wir die Galleria d’Arte Moderna, die römische Gemäldegalerie hinter der schönen Villa Borghese, erreichen, fährt die Straßenbahn in eine Abzweigung, wo sie parken kann. Nino Rotas „La Strada“ scheint mir der perfekte musikalische Anfang für einen schönen Abend. Die Qualität des Konzerts ist hoch, und als wir weiterfahren, servieren die Kellner mit großer Professionalität den Wein. Rom ist jenseits der Fenster magisch. Wir fahren am Kolosseum vorbei: Die Lichter der Stadt scheinen nur für uns strahlen. Oberhalb des Kolosseums bleiben wir wieder stehen, hören den Rest des Konzertes und genießen die ganze Faszination eines Abends, den man sehr bald wieder erleben will.
Info:
www.tramjazz.com

 

02-05-2019

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