Canosa: Ein Konzentrat archäologischer Kunstschätze

Der Gang durch die Stadt Apuliens ist eine ständige Quelle für Überraschungen, zwischen Hypogäen, Tempeln und einer frühchristlichen Basilika

Text und Fotos: Elvira D’Ippoliti

Fantasievolle Formen der Keramik aus Canosa

Fantasievolle Formen der Keramik aus Canosa

Canosa – Die Einleitung in die Wunderwerke der Archäologie der apulischen Stadt Canosa kann die römische Brücke über den Fluss Ofanto sein, die sich ungefähr drei Kilometer vom Stadtzentrum befindet. Man kann hier durch die Natur wandern und sich an den Funden der Bewohner von Daunien (lat. Daunia, heutige Provinz von Foggia) auf dieses noch intakte Werk der Römer freuen. Man muss dennoch eine Vorbemerkung machen: In Canosa hat man leider nicht die auf die moderne Architektur geachtet; das Ergebnis ist eine Stadt, wo praktisch jedes Haus anders aussieht als das, das daneben steht; das Gesamtbild ist nicht schön anzusehen.

Ganz anders ist es, wenn man sich der Archäologie widmet. Im kleinen, aber wunderschönen „Museo Archeologico Nazionale“ (der Sitz ist ein seltener „Palazzo“ aus dem 19. Jahrhundert) bleibt man einfach ohne Worte, wenn man auf die vielen Vasen blickt, die so zeitgenössisch aussehen, als hätte sie ein Designer kreiert. Die Hauptstücke der Funde der Stadt Canosa bewundert man aber, wenn man vor einem Glasschrank steht. Dahinter stehen Vasen, die mit fantasievollen Formen geschmückt sind und eine unglaubliche pink-rosa Farbe haben. Die Archäologen sagen, diese Merkmale seinen einzig, und schlagen ein kleines Spiel vor: Wenn man ein Erzeugnis sieht, das in irgendeinem Museum der Welt diese Merkmale hat, kann man sicher sein, dass auf dem Namensschild steht: „Keramik aus Canosa“.

In dieser Stadt kann man tatsächlich einen archäologischen Spaziergang machen. Die nächste Etappe, die ich ausgesucht habe, ist das „Hypogäum des Zerberus“, das innerhalb eines Schulgeländes ausgegraben wurde. Bevor man die steinernen Stufen hinabgeht, trifft man Schüler während der Pause. Bei diesem Hypogäum handelt sich um eine einfache Struktur aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., die aus Lehm gebaut wurde. Auf einem Fresko wird grafisch die Abreise eines Toten ins Jenseits erzählt. Die moderne Technologie ermöglicht es, von einer männlichen Stimme die Geschichte des Mannes zu hören, der das Leben verlassen hat, wobei die einfache Zeichnung lebendig wird. Der Mann war ein Ritter, den sein Pferd auf dieser letzten Reise begleitet; auf ihn wartet der Höllenhund. Das Video, dem man in der Dunkelheit zuschaut, dauert nur ein paar Minuten, ist aber ergreifend für die Zuschauer. Ich erreiche den Schulausgang, noch in meine Gedanken vertieft, aber eine Gruppe lachender Studenten bringt mich zurück in die Gegenwart. Der erfahrene Führer hat für mich noch die Besichtigung anderer Hypogäen im Programm. Über diese Stadt kann ich mich ständig wundern: Eines der Hypogäen befindet sich im Untergeschoss eines modernes Mehrfamilienhauses.

Die letzte Etappe meines Spazierganges ist der eindrucksvolle „Parco archeologico San Leucio“. Er befindet sich auf einem Hügel in einem Olivenhain etwas außerhalb der Stadt. Zwischen Kapitellen und Mosaiken geht man auf die Ruine eines italischen Tempels zu, der der Göttin Minerva gewidmet war und später mit einer frühchristlichen Basilika überbaut wurde. Einfach wunderschön ist das korinthische Kapitell mit der Protome eines weiblichen Gesichtes. Ich verlasse Canosa mit einer Frage: Welche andere Kunstschätze der Archäologie hütet noch diese Stadt?

Info:
Um die Archäologie der Stadt Canosa zu erkunden, kann man eine geführte Tour bestellen:
Gestione delle aree archeologiche e visite guidate
Tel. +39 333 8856300
renatotango83@gmail.com
www.canusium.it

Pugliapromotion – Regionale Tourismusagentur          www.agenziapugliapromozione.it/portal

 

 

 

 

 

 

 

 

04-04-2019

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