Trinitapoli, das Mysterium der Hypogäen und ein Sonnenuntergang auf den Meerwassersalinen

Ein Labyrinth aus Tunneln und kreisförmigen Löchern, die mit der Welt der Sterne verbunden sind. Die Dame mit Bernstein-Ornamenten und die Opfergabe des Schädels eines jungen Mannes, an die Göttin der Erde

Text und Fotos: Paolo Gianfelici

Naturpark der Feuchtgebiete

Naturpark der Feuchtgebiete

Trinitapoli – Die kleine Stadt der „Daunia“ – so der alte Name der Provinz von Foggia – ist nur wenige Kilometer vom Meer entfernt und müsste mit dem Fahrrad besucht werden. Diejenigen, die es nicht mitgenommen haben, können es im Hotel Airone ausleihen, wo der Eigentümer, auch wenn er selber keine Fahrräder besitzt, einen Weg findet, einige zu bekommen. Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit gegenüber dem Gast, zusammen mit guter Laune, sind die Merkmale der Menschen hier. In wenigen Minuten erreicht man den Rathausplatz, eine kleine Fußgängerzone mit Blick auf den Palast der „Commendatari di Malta“ und die beiden Kirchen aus dem 18. Jahrhundert: die Kathedrale Santo Stefano und die Kirche von San Giuseppe. Man radelt zwei- oder dreihundert Meter weiter und man ist von Natur umgeben. Die Felder sehen wie Gärten aus und sind mit Fenchel, Blumenkohl und Artischocken bepflanzt. Die köstliche späte Artischocke, mit ihren länglichen Blütenständen, ist von violetter Farbe und zartem Geschmack charakterisiert.

 

Sonnenuntergang auf den Meerwassersalinen

Sonnenuntergang auf den Meerwassersalinen

Biegt man nach rechts ab, nimmt man den Radweg, der zum Naturpark der Feuchtgebiete und zum Meer führt. Wenn man nach links abbiegt, erreicht man schnell den „Hypogäen archäologischer Park“, der der Bronzezeit gewidmet ist, einer der geheimnisvollsten Epochen der Menschheitsgeschichte. Es ist ein Labyrinth aus Tunneln und kreisförmigen Löchern mit astronomischen Bezügen. Im zweiten Jahrtausend v. Chr. versammelte sich die örtliche Bevölkerung in diesem unterirdischen Heiligtum, um Fruchtbarkeitsriten zu vollziehen, die mit der Welt der Sterne und mit den wichtigsten Ereignissen des Agrarjahrgangs verbunden waren. Der Schädel eines jungen Mannes, der eines natürlichen Todes gestorben war, wurde der Erdgöttin, als Symbol für Wort und Denken, den überlegenen Qualitäten des Menschen, dargebracht. Später wurden die Hypogäen von Kultstätten zu Begräbnisstätten. In einem monumentalen Grab fand man die „Dame mit Bernstein-Ornamente“. Ihre Halskette, die Ohrringe und die Armbänder werden in den kommenden Monaten, zusammen mit neuen Funden, anlässlich der Eröffnung des archäologischen Parks und des Obergeschosses des Museums (im Zentrum der Stadt), ausgestellt. In diesem Museum zeigen Comic-Streifen die Geschichte der Gemeinde, die in der Bronzezeit aus Bauern, Hirten, Töpfern, Webern, und Kriegern bestand.

Ein starker eisiger Wind, der direkt vom Balkan kommt, weht durch die Straßen von Trinitapoli. Ich betrete das Restaurant „Corte Maria“ und nehme im zentralen Raum mit alten restaurierten Tonnengewölben und modernem Design platzt. Ich koste einen Salat aus rohen Artischocken und eine Schweinshaxe, die im Rotwein „Nero di Troia“ gekocht wurde, und sehr zart ist. Am späten Nachmittag fahre ich auf dem Radweg (4-5 Kilometer), der den Naturpark der Feuchtgebiete durchquert. Die Salzbecken sind, je nach Salzkonzentration im Wasser und abhängig von der Vegetation, rosa, grün oder blau gefärbt. Ich erreiche das Meer. Der Wind weht heftig und befreit die Atmosphäre von Unreinheiten. Rechts sieht man die Stadt Margherita di Savoia, links die Küste der Gargano-Halbinsel, oberhalb den langen dunkelgrünen Fleck des Umbra-Waldes. Die sehr hohen Wellen brechen an einer Mauer aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert: Es sind die Überreste des Kanals, der die römische Stadt Salapia mit dem offenen Meer verband. Rosa Flamingos, Stelzenläufer und Silberreiher fliegen bei Sonnenuntergang etwas träge herum. Ich besuche das „Casa di Ramsar“, das Zentrum für Umweltbildung im Park. Die Flora und Fauna dieses Gebietes ist sehr abwechslungsreich an Formen und Farben. Ich werde im Frühling oder Sommer zurückkommen, um sie zu bewundern.

Bei meiner Rückfahrt nach Trinitapoli beobachte ich den Sonnenuntergang in den Bergen der „Daunia“. Die Lichtstrahlen werden vom Salzwasser und von den Salzkristallen entlang des Ufers reflektiert. Ein Vorhang aus goldenem Queller dient als Kulisse für ein paar Flamingos, die auf der Suche nach dem richtigen Platz für die Nacht sind und wie Gleichgewichtskünstler auf einem einzigen Bein schwanken.

Info:

Archäologischer Park der Ipogei Trinitapoli   www.museoipogeitrinitapoli.it

Zentrum für Umwelterziehung im Ramsar House       www.casadiramsar.it   

In Trinitapoli wird ausgezeichneter Wein produziert. Insbesondere die Bio Cantina Fratelli Giannattasio www.biocantina.com und Casaltrinità www.casaltrinita.it, ein großes soziales Weingut, dessen Flaggschiff Pater ist, ein Nero di Troia

Pugliapromotion – Regionale Tourismusagentur          www.agenziapugliapromozione.it/portal

10-03-2019

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