Foto: Fondazione Alghero
Text: Brunella Marcelli
Eine ungewöhnliche Reise führt uns abseits der sommerlichen Touristenströme nach Alghero, einem Ort mit einem kraftvollen Genius Loci. Eine uralte Seele scheint uns Geschichten von Völkern zwischen Meer und Land zuzuflüstern, deren Bräuche und Kulturen sich hier über Jahrhunderte überlagert haben und diese Stadt zu einem einzigartigen Ort der Welt machen. Auch wenn wir Alghero oft mit seinen herrlichen Stränden und kristallklaren Küsten verbinden, eröffnet ein Besuch im Winter eine neue Perspektive und zeigt uns ein Reiseziel, das zu jeder Jahreszeit entdeckt werden will. Dank des Engagements und der kontinuierlichen Arbeit der Fondazione Alghero erleben wir hier eine Vielfalt an Eindrücken, die uns emotional tief berühren. Der erste Blick fällt vom Meer aus auf die Villa „Las Tronas“, die von Wasser umgeben ist, dessen sanftes Rauschen in gleichmäßiger Rhythmik erklingt. Dieses elegante Fünf-Sterne-Resort mit aristokratischer Atmosphäre empfängt uns mit stilvollen Räumen, Liebe zum Detail und höchstem Komfort. Unvergesslich ist der Spa-Bereich mit seinen Fenstern direkt über dem Meer. Nur wenige Schritte von der Altstadt entfernt liegt die Villa wie eine Oase auf einer privaten Landzunge, die sich zur Bucht von Alghero öffnet – einem der schönsten des gesamten Mittelmeers.

Wir genießen diesen Blick ins Blau, bevor wir durch die Gassen und kleinen Straßen der befestigten Stadt schlendern, deren imposante Bastionen wie eine katalanische Insel inmitten der großen Insel Sardinien wirken. Das katalanisch-aragonesische Erbe ist in Mauern und Türmen ebenso sichtbar wie in der algherischen Sprache, die noch heute gesprochen wird und sogar auf zweisprachigen Straßenschildern erscheint. Mit dem Blick nach oben entdecken wir an den Fassaden der Palazzi Details wie zweibogige Fenster und zugemauerte Portale, die uns sofort an Katalonien erinnern. Von ihren Bewohnern liebevoll Barceloneta – „das kleine Barcelona“ – genannt, ist Alghero ein Ort voller Suggestionen, ein Echo vergangener Ereignisse, das uns in eine außergewöhnliche Geschichte zurückversetzt. Nachdem die Stadt lange zwischen Genuesen und Pisanern umkämpft war, erscheint im Juni 1354 der aragonesische König Peter IV. mit über 90 Galeeren in der Bucht von Alghero. Nach monatelanger Belagerung wird Alghero katalanisch. Die ursprünglichen Einwohner werden vertrieben, während neue Siedler aus Spanien die Stadt bevölkern. So beginnt die katalanische Geschichte Algheros (14.–18. Jahrhundert), die Geschichte einer Festungsstadt, deren Mauern – heute nur teilweise erhalten – die Identität des Ortes prägen. Die alten Wehrgänge bieten unvergessliche Ausblicke auf das Meer, besonders bei Sonnenuntergang.

Kulturelle und architektonische Schichten überlagern sich und formen ein faszinierendes Mosaik aus gotischen und Renaissance-Einflüssen. Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten zählen die Kathedrale Santa Maria, ein Beispiel katalanischer Gotik, die Kirche San Francesco mit ihrem Kreuzgang aus dem 15. Jahrhundert sowie die Piazza Civica, an der die historischen Palazzi stehen, einst die repräsentativen Sitze der Stadt. Alghero ist Geschichte, aber auch Tradition. Besonders eng verbunden ist die Stadt mit der Fischerei und der Verarbeitung des Corallium Rubrum, einem identitätsstiftenden Element und einer der wichtigsten Ressourcen des algherischen Meeres – nicht umsonst trägt dieser Küstenabschnitt den Namen Riviera del Corallo. Das Museum in der Villa Costantino erzählt von den handwerklichen Techniken und den Geschichten rund um das „Rote Gold“, ein bedeutendes kulturelles Symbol, das bis heute für die lokale Wirtschaft von großer Bedeutung ist. Die kostbaren Artefakte sprechen von den Tiefen des Meeres, vom Mut der Fischer, die sich noch heute mit Respekt in die Fluten wagen, und von einer kunstvollen Handwerkskunst voller Kreativität und Wissen.

