Emotionaler Weintourismus verspricht die „Cantina di Venosa“ (Basilikata)

Zwischen den Reihen von Aglianico-Reben mit winterlichen Farben. Eine „Carpe diem”- Pause mit Caciocavallo, Pecorino di Moliterno, gebratenen Paprika “Cruschi” und Aglianico del Vulture DOC Terre d’Orazio. Die römischen Bäder und die Abtei der Dreieinigkeit

Text un Fotos: Paolo Gianfelici

Cantina-di-Venosa-Paolo-Gianfelici (3)Die Stadt Venosa ist faszinierend und zeitlos. Die Natur, die sie umgibt, ist auf den mit Weinbergen bedeckten Hügeln vor dem MonteVulture rau und zart zugleich. Die Rot- und Weißweine der Cantina di Venosa sind der treue und authentische Ausdruck dieses Territoriums. „Vor hundert Jahren wurden auf dem Vulture mehr als 5000 Hektar Rebfläche angepflanzt“, sagt Francesco Ferrillo, Präsident der Weinkellerei, heute sind es nur noch 1500. Mein Traum ist es, ein mit Weinreben bewachsenes Land zu erreichen“. Ein großes Projekt für den lokalen Tourismus mit einer nachhaltigen Wirtschaft. Der Verkaufsdirektor, Antonio Teora, erzählt die Geschichte des vor über sechzig Jahren gegründeten Unternehmens, von seiner Wende nach dem Jahre 2000, die es zum Weltmarktführer bei der Herstellung von Aglianico del Vulture Doc gemacht hat, und die Preise, die der Weinkeller in Italien und im Ausland bekommen hat. Das nachhaltige Projekt der „Cantina di Venosa“ beginnt im Weinberg mit einer integrierten Schädlingsbekämpfung und erstreckt sich über den gesamten Produktionszyklus. Das Projekt „Enoturismo emozionale“ wird im Jahre 2019 starten: Es umfasst die neue Architektur des Unternehmens und einen Lehrpfad zur Erkundung der Weine, der lokalen Gastronomie und der künstlerischen und natürlichen Schönheiten des Gebiets.

Cantina-di-Venosa-Paolo-Gianfelici (2)Alle rote Schattierungen, Braun, Gelb und Grün färben die Blätter der Reben. Ich befinde mich in einem schönen und leuchtenden, winterlichen Garten. Die Reihen von Aglianico-Reben beginnen an der Straße, die am Rand des Tales entlangführt, eine tiefe, steile Senke, die mit spontaner Vegetation bedeckt ist. Venosa, befindet sich weit entfernt auf einem Plateau. Die Stadt erscheint fern, geheimnisvoll und unerreichbar. Die Konturen des Schlosses, der Häuser und der Kirchen zeichnen sich gegen den Himmel ab. Die Abtei der Dreieinigkeit, die vom Rest der Stadt getrennt ist, taucht über den Bäumen und Sträuchern des Tals auf, das von der Dezembersonne sandfarben erhellt wird.

Nach ein paar Augenblicken reiner Kontemplation (mit Verzehr der letzten roten Trauben, die bei der Ernte vergessen wurden) und kann ich mit der Erkundung der Stadt Venosa beginne. Der lange Weg dahin umgeht das Tal und endet vor dem Schloss. Der kleine Platz davor ist ein Halbkreis mit einen Bogengang: eine sehr merkwürdige architektonische Struktur in der Region Basilikata. Im nationalen, archäologischen Museum der Burg kann man das Diadumeno, ein römisches Marmorwerk, bewundern, das in den Vereinigten Staaten gestohlen wurde und anschließend nach Italien zurückgebracht worden ist. Auf einigen Münzen, die hier geprägt wurden, hält Dionysos eine Weintraube: eine weitere Demonstration der tausendjährige Berufung der Stadt für den Wein. „Nunc est bibendum“, schrieb Horaz, der in Venosa im Jahr 65 v. Chr. geboren wurde

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Das Restaurant im Erdgeschoss des antiken Balì-Palastes der Ritter von Malta heißt Baliaggio, könnte aber auch zu Ehren des lateinischen Dichters „Carpe diem“ genannt werden. Die Produkte, die Gerichte und die Weine der Region, die es anbietet, sind echte Köstlichkeiten, und niemand, der sie probiert, wird den „flüchtigen Moment“ verlieren wollen. Ich schmecke Wildschweinschinken, Caciocavallo und Pecorino di Moliterno, gebratene Paprikaschoten (mit Kartoffeln oder Kirschtomaten), Orecchiette mit Frischkäse, Gemüsesuppe und kleine Gnocchi. Alles wird vom Aglianico del Vulture DOC Terre d’Orazio, mit seinem zarten Duft von Waldfrüchten und einem angenehm Tanningehalt, begleitet. Er ist der perfekte Wein zu den Spezialitäten der Basilikata.

Ein Streifzug durch die Gassen von Venosa ist eine schöne Erfahrung. Man sieht fast keine Autos und sogar tagsüber nur wenige Leute. Es gibt nicht sehr viele Geschäfte. Das Pflaster besteht aus Steinplatten. Die Atmosphäre ist zeitlos. Ich verlasse das kleine Labyrinth der Gassen und sehe in der Ferne die Abtei der Dreieinigkeit. Ich nähere mich den römischen Bädern, wo ich Antonella Fusco, Expertin für die Kunstgeschichte von Venosa, treffe. Ohne sie wäre es viel schwieriger gewesen, die Bedeutung dieser römischen und mittelalterlichen Stätte, die etwas größer als ein Quadratkilometer ist, zu entschlüsseln. Hier verlief die Via Appia, die Rom mit Brindisi (und damit auch Griechenland und dem Osten) verband. Venusia entwickelte sich mit seinen Bädern, dem Amphitheater und den römischen Patrizierhäusern. Die Abtei der Dreieinigkeit hingegen ist vor allem mit dem Mittelalter verbunden, nämlich den Kreuzzügen, als Venosa auf dem Weg zum Heiligen Land an Bedeutung gewann.

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Ich erreiche die Stadt zu Fuß, als es fast Nacht ist. Eine Schafherde drängt in die Stadt und hält an einer Kreuzung mit dem Glockenturm der „Concattedrale Sant’Andrea“ im Hintergrund, bevor die Schafe nach links gehen und verschwinden. Ich laufe bis zu einem alten Waschhaus weiter: Ein großer brüllender Löwe aus Stein markiert den Platz. Der Stein an den Rändern des Beckens hat eine Vertiefung; er wurde während der Jahrhunderte durch das Waschen und Reiben der Kleidungen abgenutzt. Ein Denkmal der täglichen Arbeit.

La Cantina di Venosa         www.cantinadivenosa.it
Via Appia, 86 – 85029 Venosa (Pz)
Tel. e fax: +39 0972 36702

Città di Venosa
www.comune.venosa.pz.it

22-12-2018

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