Terra Italia

Val Liona: Wo die Zeit langsamer vergeht

Natur, Geschichte und stille Wege in den südlichen Colli Berici.

Val Liona: Wo die Zeit langsamer vergeht

Text: Elvira D’Ippoliti, Foto: Visit Val Liona

Ein kleines Tal, in dem die Straßen mangels Verkehr beinahe Radwege sind: Das Val Liona, nur wenige Kilometer von Vicenza entfernt im südlichen Teil der Colli Berici, ist ein Konzentrat aus Natur und Ruhe. Ich besuche es zu Beginn des Herbstes, wenn die Temperaturen angenehm frisch sind und bereits die kühleren Tage ankündigen. Das Grün der Bäume und Felder wirkt wie ein Inbegriff von Harmonie und befreit den Geist augenblicklich von den Gedanken des Alltags. Wer aus einer Großstadt ins Val Liona kommt, erlebt Tage ganz im Zeichen der Regeneration. Man richtet sich nach dem Rhythmus der Natur, entdeckt Dörfer und kostet lokale Spezialitäten. All das in einem Gebiet, das klein genug ist, um es bequem zu erkunden, und zugleich unermesslich in seiner Schönheit.

Man muss kein Leistungssportler sein, um sich beispielsweise dem „Wellness-Itinerario“ im Val Liona zu widmen. Dabei handelt es sich um einen rund drei Kilometer langen Weg, der den Ortsteil Pederiva mit San Germano dei Berici verbindet und sowohl zu Fuß als auch mit dem Fahrrad zurückgelegt werden kann. Man atmet die klare Luft ein und tankt neue Energie. Im Herbst verleihen die Farben der Bäume und Weinberge der Landschaft zusätzlichen Zauber und machen den Weg noch reizvoller.

In Pederiva lässt sich die Wanderung mit einem Besuch der alten Mühle Dugo Tessari verbinden. Sie ist die einzige erhaltene Mühle eines einst dichten Netzes von Anlagen, deren durch den Fluss Liona angetriebene Wasserräder das Tal bis zum Zweiten Weltkrieg prägten. Im Inneren scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Natursteinmauern, alte Werkzeuge, Fotografien und Zeugnisse des Müllerhandwerks erzählen vom Leben vergangener Generationen. Die Mühle funktioniert noch immer nach denselben Prinzipien, die vor rund achthundert Jahren entwickelt wurden. Zwei Mühlsteine ruhen auf einer Holzkonstruktion, während sich das Wasserrad auf der Rückseite des Gebäudes befindet. Das Gestänge unterhalb der Mühlsteine und das äußere Rad bestehen heute aus Eisen, doch nahezu alles andere blieb unverändert.

Wer noch tiefer in die Vergangenheit eintauchen möchte, sollte das unweit der Mühle gelegene Museum der bäuerlichen Kultur besuchen. Hier begegnet man historischen Wein- und Ölpressen, alten Traktoren, Pflügen und zahlreichen weiteren Gegenständen, die von der ländlichen Vergangenheit erzählen. Rekonstruiert wurden außerdem eine traditionelle Handwerkswerkstatt, ein Klassenzimmer und eine bäuerliche Küche.

Die Landwirtschaft hat im Val Liona eine jahrhundertealte Tradition. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert ließen zahlreiche Patrizier- und Adelsfamilien der Serenissima hier prächtige Villen errichten. Diese dienten nicht nur als repräsentative Landsitze, sondern vor allem als Verwaltungszentren für die ausgedehnten Ländereien, die sie umgaben. Noch heute beeindrucken diese Anwesen durch ihre Eleganz. Zu den schönsten gehört die Villa Priuli Crisanti in Villa del Ferro, die sorgfältig restauriert wurde und heute sowohl für unvergessliche Veranstaltungen als auch für Übernachtungen im angrenzenden Gästehaus offensteht.

Besonders reizvoll ist auch die Route, die zu den zahlreichen Bildstöcken des Tals führt. Viele von ihnen beherbergen Figuren, die von lokalen Steinmetzen aus dem typischen Vicenza-Stein gefertigt wurden. Derselbe Naturstein schmückt auch die Villen und Kirchen der Gegend. Das Material, das noch heute in den Steinbrüchen gewonnen wird, erscheint je nach Vorkommen in warmen Goldgelb- oder Weißtönen und eignet sich hervorragend für architektonische Details und dekorative Arbeiten.

Ein weiterer kleiner, großer Schatz eines Tals, das darauf wartet, entdeckt zu werden.

www.visitvalliona.org

Weiterleiten:

© Copyright TidPress Terra Italia.