„Park der Ungeheuer“ in Bomarzo

Die Idee von Vicino Orsini, die zwischen 1552 und 1585 realisiert wurde, ist so gut, dass man die gigantischen Steinstatuen im dichten Wald noch heute voller Bewunderung anschaut

Text Elvira D’Ippoliti, Foto TiDPress

Bomarzo-Paolo-Gianfelici (13)Bomarzo-Paolo-Gianfelici (18)Bomarzo (Viterbo) –  Hier muss man staunen. Der letzte Feudalherr von Bomarzo, ein Städtchen im Norden des Latiums an der Grenze zu Umbrien, wollte in einem Wald etwas unterhalb seines Palazzos mit dem „Park der Ungeheuer“ die Besucher beeindrucken. Die Idee von Vicino Orsini, die zwischen 1552 und 1585 realisiert wurde, ist noch heute so gut, dass man diese Giganten aus Stein, die in dem dichten Wald plötzlich zum Vorschein kommen, voller Bewunderung anschaut. Der Weg durch den „Heiligen Wald“ ist nur mit einfachen, weißen Pfeilen gekennzeichnet. Als ich durch das Eingangstor schreite, ist es sehr still im Park. „Ihr, die ihr durch die Welt auf vagen Reisen umherirrt…“, lautet eine der vielen Inschriften, die mit roter Farbe auf dem gravierten Stein zum Vorschein gebracht werden. Die kämpfenden Giganten sind die erste Riesenskulptur auf meinen Weg. Noch bin ich wahrscheinlich vom Wald nicht angesprochen worden, weil ich diese beiden Gruselfiguren etwas teilnahmslos betrachte. Doch nach ein paar Schritten bin ich mir fast sicher, dass dieser Skulpturenwald ein eigenes Leben hat. Der Gedanke ist voller Fantasie, aber wer weiß, ob hier nachts aus den vielen Felsblöcke vulkanischen Ursprungs, die noch ungeschliffen dastehen (anscheinend sind alle vom Berg runter gefallen) sich weitere Figuren selbst kreieren, die dann mit dem Tageslicht wieder verschwinden?

Bomarzo-Paolo-Gianfelici (1)Bomarzo-Paolo-Gianfelici (23)Eine riesige Schildkröte mit einer Frauengestalt auf dem Panzer, Säulen mit oberhalb geheimnisvoller Gesichter, ein schiefes Haus: wo ist die Logik in dieser Auswahl? Die „vage Reise“ der Inschrift kann man auch als Spiegel unseres inneren Lebens, das wir nach draußen ausstrahlen, nehmen. Es gibt einfach keine Logik. Ich betrete den Eingang des schiefen Hauses und fühle mich schwindelig. Die Neigung des Bodens im winzigen Zimmer sorgt für diesen komischen Effekt. Der Blick aus dem Fenster ist beruhigend und von diesem Moment an verwandelt sich mein Spaziergang in einem meditativen Weg. Jeder kann im „Park der Ungeheuer“ den eigenen finden. Jetzt sind mehr Besucher angekommen. Einige Familien mit Kinder, die den Wald spannend finden und Paare, die viel Zeit damit verbringen sich zu fotografieren. Auf dem offenen Mund eines Orkus lese ich die Worte: „Jeder Gedanke fliegt“. Ein anderer Wegweiser? Bei meinem Spaziergang zwischen Statuen aus Gestein treffe ich noch einen Elefanten, der mit dem Rüssel einen Menschen gefangen hält. Die Augen des Tieres sind einfache Löcher, aber trotzdem bedrohlich. Sirenen, Löwen, Furien und Bären: ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wie viele Kreaturen ich noch gesehen habe. Im oberen Teil des Parks öffnet sich eine kleine Lichtung mit ganz ruhig aussehenden Bäumen. Ein kleiner Tempel wacht über die Stille und das etwas oberhalb gelegene Eisentor deutet wahrscheinlich darauf hin, dass hier einst der Haupteingang war. Ich ruhe mich auch geistig aus. Wie im Leben kommt in Bomarzo Park nach manchem stürmischen Moment immer ein Sonnenschein vor unsere Augen.

Sacro Bosco, Bomarzo (Viterbo)    www.sacrobosco.it

13-07-2020

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