Ischia: Weinberge, Trauben und Rebensaft

Die Casa d’Ambra 1888, historische Weinkeller. Die steilen Terrassierungen an der Küste sind sehr schmal. Schon das einfache Laufen erfordert Geschicklichkeit, um das Gleichgewicht zu halten

Text und Fotos: Paolo Gianfelici

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Marina D’Ambra

Isola di Ischia – Steigt man vom Meer nach Serrara Fontana empor, so wird einem bewusst, dass der Weinanbau dort ein „heroisches“ Unterfangen ist, das nur an wenigen anderen Orten Italiens anzutreffen ist. Die steilen Terrassierungen an der Küste sind sehr schmal. Schon das einfache Laufen erfordert Geschicklichkeit, um das Gleichgewicht zu halten. Ich kann mir vorstellen, wie schwierig und beschwerlich, ja fast unmöglich es ist, Reben anzubauen und Trauben zu ernten. Den Einwohnern von Ischia gelingt dies gut, da sie dank des Klimas und der vulkanischen Natur des Bodens seit Urzeiten Winzer sind.

Ich lasse mein Auto auf einem Parkplatz zwischen den Weinbergen stehen und gehe längs einer Bergflanke nach unten, um die Casa d’Ambra 1888, den historischen Weinkeller von Ischia, zu besuchen. Beim Sonnenuntergang treffen die letzten Strahlen auf die Felsen des 500 m tiefer gelegenen Vorgebirges von Sant’Angelo. Umgeben von Weinbergen, aber auch von Blöcken grünen Tuffs, frage ich mich, wie es die Winzer angestellt haben, genügend Erdboden zu finden, um die Reben anzupflanzen. Die weißen Weintrauben hängen noch an Spanndrähten, und trotz eines außerordentlich heißen Sommers ohne Niederschläge sind die Beeren voller Saft.

Der Weinkeller wurde erbaut, indem man den Fels aushöhlte. Anfangs war er nicht mehr als ein Steinhaus, ein perfektes Versteck während der Piratenüberfälle auf der Insel. Von Wind und Regen wurde er an der Außenseite mit einem fantasievollen Spitzenmuster verziert.

Ich setze mich unter die Pergola an den Steintisch, um die ins Tyrrhenische Meer tauchende Sonne zu bewundern und zwei leckere Weißweine zu probieren. Die einheimischen Trauben tragen lokale Bezeichnungen nach dem Wortschatz des Orts, wie Biancolella oder Forastera. Beide Weine duften nach Mandeln, was für die Produktion der Insel typisch ist; zudem haben sie einen vollen, leicht salzigen Geschmack. Zum Abschluss versuche ich einen Rotwein aus der „Rebe der Tausend Jahre“. Rote Trauben sind hier eine Rarität. Der Rotwein von Ischia muss mindestens zwei Jahre in Fässern verfeinert werden, um ihm seine Strenge zu nehmen. Das Resultat ist ein harmonisches Erzeugnis, das an Zitrusfrüchte erinnert. Sind jener Duft und jener Geschmack geeignet, mich daran zu erinnern, dass ich mich in Kampanien aufhalte?

Übers.: Richard Brütting

20-10-2017

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