Die Kunst des großen Feuers

Die jahrhundertelange Tradition der Keramik wird in Castelli (Abruzzen) von der ganzen Stadt gepflegt. Ein Museum und unzählige Werkstätte sind die Hauptattraktionen neben dem Blick auf den Gran Sasso d’Italia

Text und Fotos: Paolo Gianfelici

VIDEO TIDPRESS TERRA ITALIA  „CASTELLI, KERAMIK, KUNST UND NATUR“

Castelli: Keramik-Museum Zum Vergrößern: Klick auf das Foto

Castelli: Keramik-Museum
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Castelli – Nach Castelli kommt man, um Keramik zu bewundern und eventuell zu kaufen. Der älteste Laden (bottega) ist auf das Jahr 1500 datiert. Hier wurden Teller und Vasen aus Keramik mit komplizierten Bemalungen hergestellt, und alle modernen Läden machen noch dasselbe. Ivano Pardi kreiert Vasen im klassischen Castelli-Stil mit Zeichnungen einer idyllischen Natur, die die Stadt tatsächlich umgibt. Im Städtchen mit Blick auf den Gran Sasso arbeiteten im 17. Jahrhundert Carlo Antonio Grue; seine Meisterwerke sind zusammen mit denen anderer Keramiker aus Castelli in den wichtigsten Museen der Welt, wie dem British Museum und der Ermitage (St. Petersburg), ausgestellt. Die Decke der Kirche San Donato ist mit ungefähr achthundert Majoliken geschmückt; sie ist ein weiteres Zeugnis der Kunst, die hier im 17. Jahrhundert geschaffen wurde. Man kann Stunden damit verbringen, um auf diese bunten Backsteine zu bestaunen: Symbole, Gesichter, Inschriften, eine ganze Welt wird hier mit Farbe – hauptsächlich gelb, grün, hellblau, orange und braun – erzählt. Die Kirche liegt nur ein paar Kilometer vom Stadtkern entfernt und ist eine Oase der Ruhe. In Castelli geht es viel lebendiger zu. Dutzende von Läden bieten Keramik aller Art und in harmonischer Fülle an.

Gran Sasso d'Italia Zum Vergrößern: Klick auf das Foto

Gran Sasso d’Italia
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Die Werkstatt von Ivano Pardi befindet sich am Ende des Dorfes, da wo sich einst das antike Tor öffnete. Vom Balkon aus kann man hier auf eine bezaubernd schöne Natur blicken. „Die Teller, die im Ofen kaputt gingen, wurden hier weggeworfen“, erklärt der Keramiker. „Ich brauche nur ein Spaziergang im Garten zu machen, um die Geschichte meiner Stadt wiederzufinden“. In seiner kleinen Kollektion hat er datierte Bruchstücke, auf die er die originale Komposition der Farben studiert. Seine Arbeiten sind voller Bemalungen; eine Vase ist so groß, dass man sich fragt, wie lange er daran gearbeitet hat. Seine Frau dekoriert gerade einen Teller. Die Endprodukte, die im Laden ausgestellt sind, sind zwar nicht so monumental wie die Vasen ihres Mannes, aber immer beeindruckend.

Die Objekte, die in der jährlichen „Mostra Mercato“ verkauft werden, kann man nicht mit diesen Kunstwerken vergleichen, aber man kann immer ein kleines Mitbringsel erwerben. Am Hauptplatz wird im Sommer eine Bühne aufgestellt, und die Abende sind voller Musik und Theater. In Castelli muss man viel bergauf (und -runter) laufen. Der Blick auf den Gran Sasso ist wunderschön, und ein Bar-Restaurant bietet die Möglichkeit, auf einer Panorama-Terrasse zu sitzen und auf den Gipfel (2912 Meter) zu schauen. In Castelli atmet man eine angenehme Atmosphäre: Der Grund dafür ist sicherlich die Präsenz der vielen Handwerker, die jede Minute an und mit der Keramik arbeiten.

Antonio Di Simone, Vecchia Bottega Maiolicara  Antonio Di Simone Zum Vergrößern: Klick auf das Foto

Antonio Di Simone, Vecchia Bottega Maiolicara
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Antonio Di Simone bemalt in seiner alten „bottega“ eine Schatulle mit Deckel, die so voll mit bunten Zeichnungen ist, dass man nicht glauben kann, alles sei Handarbeit. Die Farben der Keramik verändern sich im Ofen, und deshalb muss man in Castelli nicht nur superb zeichnen können, sondern auch die exakten Farbtöne kennen. Im Laden von Antonio findet man eine künstlerische Unordnung, die ihn sehr interessant macht. Auf den Regalen liegen unzählige Objekte, und man weiß nicht mehr, wo man hinschauen soll. Der Keramiker hat auf jeden Fall viele Projekte im Sinn. Er hat eine kleine Bibliothek eröffnet, die auf Keramik spezialisiert ist, und den originalen Keller restauriert. „In der Vergangenheit hatte jede Bottega ihren Keller. Hier traf man sich, um über Keramik zu diskutieren und die traditionellen Gerichte zu essen“.

Die Decke der Kirche San Donato  Zum Vergrößern: Klick auf das Foto

Die Decke der Kirche San Donato
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Castelli befindet sich im Gran Sasso-Nationalpark, und man braucht nur ein paar Kilometer bergauf zu fahren, um eine üppige Natur zu finden, wo man bestens wandern kann. Der Monte Camicia gehört zum Gran Sasso-Massiv und ist die grüne Kulisse von Castelli. Keramik-Öfen brauchen viel Holz (Buche), um die notwendigen 800 Grad zu erreichen, und hier gibt es genug davon. Die Geschichte der Stadt wird im Museum mittels Keramik erzählt. Der originale Ort des Museums wurde vom Erdbeben geschädigt, aber in einer restaurierten Werkstatt samt Ofen haben die Schaukästen einen sicheren Platz für ihren antiken und wertvollen Inhalt gefunden. Und da Keramik nicht nur die „Kunst des großen Feuers“, sondern auch der „Zauber der Unendlichkeit“ ist, befindet sich in Castelli auch eine Kunstschule, die ebenfalls eine Kollektion moderner, internationaler Keramikstücke beherbergt. Hier kann man eine Gruppe außergewöhnlicher, fantasievoller und sehr großer Krippenfiguren sehen, die von Studenten geschaffen worden sind.

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Studio Ivano Pardi Zum Vergrößern: Klick auf das Foto

Studio Ivano Pardi
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Info:

Città di Castelli
www.comune.castelli.te.it

Istituto Statale D’arte per la Ceramica “F. A. Grue”
Castelli

Hotel Art’è  Via Concezio Rosa 6 – Castelli (Teramo)
www.hotel-arte.it

Studio Ivano Pardi
Castelli
www.ivanopardi.it

Vecchia Bottega Maiolicara di Antonio Di Simone
Via Del Giardino 20
Castelli

15-09-2015

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