Der echte und einzige Chianti Classico

300 Jahre Geschichte grenzen das Territorium in der Toskana ab, wo dieser Spitzenwein produziert werden kann

Elvira D’Ippoliti

Roma, Palazzo Rospigliosi TiDPress

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Schön war die Toskana im18. Jahrhundert, und schön ist sie noch jetzt. Harmonie und Geschmack schmelzen in einem Glas von Chianti Classico zusammen. Es ist Großherzog Cosimo III. de’ Medici gewesen, der das Territorium dieses Weins streng begrenzen ließ. Die offizielle Urkunde ist auf den 24. September 1716 datiert, und seitdem hat sich das Produktionsareal nicht verändert. Gewiss kann man, um diesen Wein richtig zu schätzen und dessen höchste Qualität zu genießen, eine imaginäre Zeitreise in die Toskana machen, während man ein Glas kostet. Das Symbol des Chianti Classico ist der schwarze Hahn. Die Landschaft, wo die Trauben wachsen, ist durch die Präsenz vieler Zypressen charakterisiert, die ordentlich, wie in einen riesigen Garten, angepflanzt worden sind, sowie durch sanfte Hügel, die beruhigend wirken. Mindestens 80 Prozent Sangiovese soll in der Flasche sein. Cosimo III., der vorletzte Großherzog von Florenz, war nicht besonders lebensfreudig, und es ist schwer, ihn bei einem Fest und mit dem Glas in der Hand sich vorzustellen. Seine Urkunde ist aber der Anfang einer Erfolgsgeschichte, die auch an seine Ernsthaftigkeit gebunden ist.

Die Hügel des Chianti Classico

Die Hügel des Chianti Classico

Consorzio-Chianti-Classico 4

Der Chianti Classico hat eine geschichtliche Periode erlebt, als Europa von vielen Kriegen verwüstet war. Spanische und französische Weine konnten nicht in Umlauf gebracht werden, während das Großherzogtum Toskana, das neutral blieb, seinen Chianti frei auf dem gesamten Kontinent verkaufen konnte. So ist der Chianti Classico „der italienische Wein“ geworden. Dazu kommt, dass viele der heute erlaubten Produzenten das Wort „Schloss“ auf ihrem Etikett haben: Familiengeschichten, die auf einer soliden Basis beruhen. Eine steht für alle, nämlich die der Ricasoli: Baron Bettino wurde 1861 Ministerpräsident des Königsreichs Italien; nach seinem Rücktritt (1876) wurde er ein leidenschaftlicher Weinproduzent auf seinem Gut, dem Schloss Brolio. Er schrieb auch die ideale Cuvée des Weines auf und wurde Vorbild für viele italienische Winzer. Die Gründung des Konsortiums erfolgte im Jahre 1924, und acht Jahre später hieß dieser Wein nicht mehr nur Chianti, sondern Chianti Classico – ein Wort mehr, das ihn aber streng vom Chianti unterscheidet. 1984 bekam der Wein die Qualitätsbezeichnung DOCG, die Erzeugnisse aus bestimmten Herkunftsgebieten bezeichnet, und seit 2010 ist es gesetzlich verboten, „normalen“ Chianti in diesem Territorium zu produzieren.

Streng wie Cosimo III. und Bettino Ricasoli ist man anscheinend auch im Konsortium geblieben, doch die Qualität und den hervorragenden Geschmack sind auf diese Weise garantiert. 2016 feierte der Chianti Classico seine 300 Jahre mit einem hervorragenden Jahrgang, und wenn man sich die Etiketten von vielen dieser Weine anschaut, merkt man, dass klassische Motive mit Wappen, goldener Schrift usw. immer noch die Mehrheit sind. Mit interessante Ausnahmen, die zum modernen Design neigen. Kann die Wahl des Etiketts nach eigenem Geschmack ein Weg sein, sich dem Chianti Classico zu nähern? Vielleicht ist es doch nur ein Spiel, aber mit einer sehr ernsten Motivation: nie den Chianti Classico mit dem „anderen“ Chianti zu verwechseln.

Info:

Das Konsortium Chianti Classico hat kürzlich in Rom im Palazzo Rospigliosi den Chianti Classico Gran Selezione 2016, die vor fünf Jahren geborene Spitzentypologie, präsentiert
www.chianticlassico.com

04-12-2019

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