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Aniene-Tal: wandern in der Geschichte

Das wenig bewohnte Gebiet unweit von Rom ist eine Schatztruhe, die nur darauf wartet von den Besuchern erkundet zu werden. Die Fresken des Benediktinerklosters und die Villa des Kaisers Nero

Aniene-Tal: wandern in der Geschichte

Text und Fotos: Elvira D’Ippoliti

Subiaco (Roma) – Auf den Spuren eines Kaisers und eines Heiligen: Rom musste schon rund um das Jahr 60 n. Chr. eine sehr heiße Stadt im Sommer gewesen sein. Kaiser Nero ließ sich deshalb in der Nähe des Flusses Aniene bei Subiaco, heute eine Stunde von der Ewigen Stadt entfernt, eine große Villa bauen, um die frische Luft zu genießen. Die Reste dieses Baus erzählen noch heute eine spannende Geschichte. Nero liebte Seen, Wasserfälle und eine üppige Natur. Von diesen drei Elementen war aber hier im Aniene-Tal nur das letzte vorhanden, und Nero gab Befehl einen Damm zu konstruieren, um drei verschiedene Seen in unmittelbarer Nähe seiner Villa bewundern zu können. Wenn man bedenkt, welche fast unmögliche Aufgabe dies gewesen sein muss, ist es jetzt noch verblüffender, sich einen dieser Seen direkt neben den Ruinen von Neros Villa vorzustellen. Die Straße, die hierherführt, war unter Wasser, wie die umliegenden Wälder. Das Aniene-Tal mit seinen kleinen Dörfern, den Benediktinerklöstern und einer bildhübschen Natur ist eine wenig bewohnte Gegend und ein echtes Juwel, das nur darauf wartet, von den Touristen erkundet zu werden. Rom ist zu nahe und zu reich an Kulturschätze, um benachbarten Orten viel Platz im Programm eines Besuchers zu lassen, aber die Atmosphäre, die man hier atmet und die Geschichte dieser Gegend sind mehr als eine Visite wert.

Subiaco. „Laghetto di San Benedetto“
„Laghetto di San Benedetto“
Subiaco, Sacro Speco
Subiaco, Sacro Speco

Der Heilige Benedikt kam nach Subiaco als Jüngling, um in einer Höhle zu leben und beten. Der Sacro Speco, das große Kloster, das eng an die Felswand ab dem 12. Jahrhundert gebaut wurde, ist mit Fresken geschmückt. In der Oberkirche sind Szenen aus dem Leben Christi dargestellt. Es handelt sich um Werke von Malern aus der Schule von Siena; wenn man genau hinschaut, merkt man, dass die Handlung dem Lebensstil des 14. Jahrhunderts angepasst ist und dass viele Darsteller Kleider aus elegant geschmückten Stoffen tragen. Es ist verblüffend, aber man kann diese Figuren als eine Art zeitgenössische Werbung ansehen, die für die Stoffhändler bestimmt war. Neben der außergewöhnlichen Architektur – ein Papst der Vergangenheit, der das Kloster besuchte, nannte es „Schwalbennest“ – ist der Sacro Speco eine Schatztruhe, die den Besucher fasziniert. Neben der Schlichtheit der Höhle des Heiligen Benedikt wird man von einem Wunderwerk zum anderen geführt. In einer winzigen Kapelle kann man auch das erste Bild des Heiligen Franziskus, der hier zur Einweihung war, bewundern.

Subiaco
Subiaco

Benedikt erbaute sehr wahrscheinlich seine erste, kleine Kirche in den Ruinen der Villa von Kaiser Nero, und der winzige See, der seinen Namen trägt, war zur Zeit der Römer der tiefste Punkt eines der Seen, die Nero realisieren ließ. Ein kurzer Spaziergang führt von der Villa zum idyllischen „Laghetto di San Benedetto“. Der Name bezeichnet eigentlich einen Wasserfall des Flusses Aniene, der durch eine steinerne Schlucht strömt, und das Wasser, das sich darunter sammelt. Da vor ein paar Jahren eine italienische Zeitung den Ort als die „Karibik Roms“ bezeichnete und eine Menge Besucher hier baden wollte, muss man jetzt ein Eintrittsticket zahlen. Es kostet nur 1,5 €, aber dies ermöglicht es, den Weg durch den Wald sauber zu halten. Der Heilige soll hier das sogenannte „Wunder der kleinen Sichel“ gewirkt haben: Das Werkzeug eines Arbeiters ging kaputt, und Benedikt nahm die zwei Stücke und warf sie ins Wasser. Plötzlich kam die reparierte Sichel wieder auf der Oberfläche des Sees und der Mann konnte weiterarbeiten. Die körperliche Arbeit ist für Benedikts Regel grundlegend; und dieses Wunder bedeutet auch, dass man auf die Werkzeuge achten muss, weil man sonst nicht arbeiten kann. Der beste Moment, um diesen Juwel zu sehen, ist an Werktagen: Wenn man Glück hat, hält man in der Einsamkeit inne und atmet die ruhige Atmosphäre tief ein. Die Erkundung der Schönheit des Aniene-Tals braucht Zeit.

Subiaco, Sacro Speco
Subiaco, Sacro Speco

Info

Die Gemeinden der „Valle dell’Aniene“ und des Naturparks „Parco Naturale Regionale die Monti Simbruini“ haben eine Destination Management Organisation (DMO) kreiert, um einen neuen, ganzheitlichen Ansatz des Tourismusangebots zu realisieren – www.vamosturismo.it

Unter dem Titel „Das Gebiet erzählt sich“ organisiert „Ethea“ spannende Führungen durch die Sehenswürdigkeiten des Aniene-Tals, die die Besucher faszinieren. Die Ethea-Mitarbeiter kennen sich im Gebiet bestens aus und können auch Informationen zu lokalen Produzenten (u.a. von Wein und Käse), Übernachtungen, Restaurants, geben – www.ethea.org

Subiaco, Santa Scolastica
Subiaco, Santa Scolastica
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