Das Obere Anienetal, die Klöster

Die Benediktinerklöster Santa Scolastica und Sacro Speco sind wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein vierstündiger Fußmarsch (hin und zurück), um sie von Subiaco aus zu erreichen. Der Weg entlang des Flusses Aniene führt durch Steineichen- und Buchenwälder zum kleinen See von San Benedetto und zum Wasserfall

Texu und Fotos: Paolo Gianfelici

Subiaco, Ponte San Francesco

Subiaco, Ponte San Francesco

Die Benediktinerklöster Santa Scolastica

Die Benediktinerklöster Santa Scolastica

Subiaco – Im Oberen Anienetal befinden sich die wildesten und abgelegensten Orte der Provinz Rom: undurchdringliche Wälder, von reißenden Wassern durchzogene Schluchten, steile Felswände, Kalksteinhöhlen.

In Subiaco (eine Stunde mit dem Auto oder Bus von Rom auf der A24 und dann auf der SS Sublacense) kann man eine mittelalterliche Atmosphäre erleben. Von den grünen Ufern des Aniene sieht man auf dem Hügel das Kloster San Francesco aus dem Jahr 1327. Es lohnt sich hinaufzugehen (5 Minuten zu Fuß), um die Aussicht auf die Stadt zu genießen und im Inneren der Kirche den Freskenzyklus von Giovanni Antonio Bazzi und das Triptychon von Antoniazzo Romano, zwei bedeutende Maler der Renaissance, zu bewundern.
Weiter am Flussufer entlang gelangt man zunächst zu der schönen, sehr gut erhaltenen Brücke von 1358 mit ihrem charakteristischen Eselrückenbogen und dem Wachturm und dann zum Borgo dei Cartai, wo der Aniene sehr schnell fließt und wo sich die ehemalige Papierfabrik befand.

Ein Schild weist den Weg zu den beiden Benediktinerklöstern: Santa Scolastica (45 Minuten) und das Santuario del Sacro Speco (weitere 30 Minuten). Entlang der Straße sind die Überreste von Neros Villa zu sehen. Um der schwülen Sommerhitze Roms zu entgehen, ließ der Kaiser seine Residenz an den Ufern von drei künstlichen Seen bauen und entlang des Flusses Aniene Dämme errichten. Von der Villa, deren Kapitelle und Säulen zur Ausschmückung der nahe gelegenen Klöster dienten, sind heute nur noch wenige Reste erhalten.

Der Besuch von Santa Scolastica ist ein Spaziergang durch die Geschichte der italienischen Kunst: der romanische Cosmati-Kreuzgang, der gotische Kreuzgang, der Renaissance-Kreuzgang und die neoklassizistische, harmonische, von Palladio inspirierte Kirche Santa Scolastica. Das Frühwerk eines bergamaskischen Architekten, Giacomo Quarenghi, der später durch seine Paläste in St. Petersburg berühmt wurde.
Ich fand den gotischen Kreuzgang den faszinierendsten Ort des Klosters. Er hat eine unregelmäßige Form mit sechs Seiten. Der große Bogen „Flamboyant“ datiert auf 1400, mit einem Doppelbogen, von dem aus man die Fassade der gotischen Kirche und den romanischen Glockenturm sehen kann. Die graue Farbe des Steins, der sechseckige Brunnen mit Brüstung und Marmorsäulen, bei all dem denkt man an die Atmosphäre des Romans „Der Namen der Rose“ und stellt sich den dunklen Schatten eines Mönchs vor, der an dem Wassereimer zieht, indem er das antike Eisenrad dreht.
Die Benediktiner wohnen im Obergeschoss des Klosters und widmen sich ihren Aktivitäten: der Bibliothek, dem Kräuterladen, dem Gemüsegarten und natürlich dem Gebet. Nach dem Brauch einiger Klöster haben sie weder Kontakt zu den Besuchern, noch scheinen sie zu wünschen, dass diese kommen.

Die Benediktinerklöster Santa Scolastica

Die Benediktinerklöster Santa Scolastica

Der See von San Benedetto

Der See von San Benedetto

Ich gehe zu Fuß weiter bergauf durch Eichen- und Steineichenwälder in Richtung des Sacro Speco. Ein Papst der Vergangenheit, der es besuchte, nannte es „Schwalbennest“. Und in der Tat ist es eingebettet in den Felsen, der untenliegende das Tal überragt. Hätten sie es höher oben auf dem Berg gebaut, wäre es ein Adlernest gewesen. Ein Akt des Stolzes, der der mystischen Berufung des heiligen Benedikt, der hier drei Jahre lang als Einsiedler in einer Höhle lebte, fremd war. In Stein gehauene Mauern und Gewölbe wirken auf den Besucher sehr suggestiv.
Das Heiligtum besteht aus zwei übereinanderliegenden Kirchen, Kapellen, Höhlen und kleinen hängenden Gärten. Fast alle Wände und Gewölbe sind mit schönen Fresken der sienesischen und umbrischen Schule, gemeinsam mit der aus den Marken, bemalt. Als ich den Sacro Speco besuchte, verspürte ich ein permanentes Gefühl der Unsicherheit: unten der Abgrund der Anieneschlucht, oben der aufragende Felsen des Berges. Der Glaube der Mönche, die diese Stätte seit eintausendfünfhundert Jahren bewohnen, ist sehr stark.

In einem dreiviertelstündigen Stunde Fußmarsch bergab erreicht man den kleinen See von San Benedetto. Ein Weg, der von der Hauptstraße abgeht, führt in das dichte Waldgebiet in Richtung des Flussufers. Plötzlich tauchen ein kleiner See und ein Wasserfall auf. Die Überraschung ist groß. Ich sitze auf einem riesigen Felsblock, um über die intensiven Emotionen des Tages nachzudenken und mich ein wenig zu entspannen.
Ich kann es mir leisten: Das Auto, das in Subiaco in der Nähe des Ponte di San Francesco geparkt ist, steht nur drei Kilometer bergab.

Subiaco-Benediktinerklöster
www.benedettini-subiaco.org

Die Rocca Abbaziale ist ab Samstag, dem 23. Mai, jeden Samstag und Sonntag wieder für das Publikum geöffnet.    www.roccadisubiaco.it     Die Abteifestung von Subiaco, auch als Rocca dei Borgia bekannt, ist ein tausendjähriger Ort, an dem man durch die Geschichte einer Gemeinschaft spazieren kann.
Von seinen Gärten aus bietet sich ein einzigartiger Blick auf das Anienetal, während in den adligen Gemächern bedeutende Gemäldezyklen und Dekorationen zu bewundern sind.

02-07-2020

Reisereportagen | Tags: ,

© Copyright TidPress
Video
Bildergalerie
Italienische Regionen