Foto: Fondazione Alghero
Text: Brunella Marcelli
Die Umgebung von Alghero hält überraschende Entdeckungen bereit. Seine Geschichte verliert sich in der Nacht der Zeiten: Spuren uralter Kulturen, die – richtig erforscht – die mediterrane Vergangenheit neu schreiben könnten. Zivilisationen, die auch durch ihre außergewöhnlichen Bautechniken beeindrucken. Die Nekropolen Anghelu Ruju und Santu Pedru gehören zu den bedeutendsten pränuragischen Grabstätten Sardiniens. Die in den Fels gehauenen Domus de Janas stammen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Besonders Anghelu Ruju, kürzlich zum UNESCO-Welterbe ernannt, gilt als die größte Nekropole der pränuragischen Inselkultur. Einen Besuch wert ist auch der Nuraghenkomplex Palmavera. Als „komplexer Nuraghe“ klassifiziert, besteht er aus mehreren miteinander verbundenen Türmen und Gebäuden. Die Ausgrabungen brachten zahlreiche Funde ans Licht, die heute in den Museen von Cagliari und Sassari ausgestellt sind.

Doch Alghero ist nicht nur Geschichte. Die Landschaft ist vielfältig und reich an Kontrasten: paradiesische Strände und kleine Buchten, eingebettet in die duftende mediterrane Macchia und das kristallklare Wasser; steil abfallende Küsten für Schnorchelliebhaber; sanfte Hügel und ein Lagunensystem, das mit seiner Flora und Fauna fasziniert. Besonders eindrucksvoll sind der Regionale Naturpark Porto Conte und das Meeresschutzgebiet Capo Caccia–Isola Piana. Sie beeindrucken durch ihre Vielfalt an Lebensräumen und ihren Reichtum an seltenen Pflanzen- und Tierarten. Zahlreiche Naturpfade – geeignet für Erwachsene wie für Kinder – laden dazu ein, diese unberührte Landschaft aktiv zu erleben. Der Park von Porto Conte, durch ein Regionalgesetz anerkannt, präsentiert sich als weitläufiges Freilichtmuseum mit vielfältigen kulturellen Stationen: Casa Gioiosa mit seinem multimedialen Museum zur Geschichte der Bonifizierung der Nurra, ein Themenpark und eine Ausstellung zum „Kleinen Prinzen“ sowie der immersive Tunnel Teléia, der die marinen und küstennahen Lebensräume erlebbar macht. Auf dem Vorgebirge von Punta Giglio befindet sich das historische Museum M.A.P.S., während sich von der Oase „Le Prigionette“ aus zahlreiche Rad- und Wanderwege durch die Landschaft ziehen.
Besondere Erwähnung verdient das M.A.S.E.-Museum, das dem Leben und Werk von Antoine de Saint-Exupéry gewidmet ist. Der Schriftsteller und Pilot lebte bis Juli 1944 in der Bucht von Porto Conte, in einer Villa oberhalb der Torre Nuova, die heute das Museum beherbergt. Hier, in dieser inspirierenden Umgebung, schrieb er große Teile seines Romans „Die Stadt in der Wüste“ sowie seinen letzten Text „Brief an einen Amerikaner“. Dokumente, Kunstwerke und thematische Installationen beleuchten seine Biografie und insbesondere seinen Aufenthalt in Alghero, ergänzt durch die berühmten Fotos des Life-Fotografen John Phillips.

Ein weiteres Naturwunder des Capo-Caccia-Massivs ist die Grotta di Nettuno, eine spektakuläre Karsthöhle im Meeresschutzgebiet. Sie ist per Boot – bei günstigen Wetterbedingungen – oder über die 656 Stufen der Escala del Cabirol erreichbar. Diese zweite Option bietet eindrucksvolle Ausblicke und steigert die Vorfreude auf das, was im Inneren wartet. Der Überraschungseffekt ist garantiert, wenn sich die große Halle mit dem Lamarmora-See öffnet, einem der größten Salzwasserseen Europas. Im Inneren beeindrucken die „Acquasantiera“, eine zwei Meter hohe Stalagmite, die „Sala delle Rovine“ und die majestätische „Reggia“ mit ihren natürlichen Säulen. Am Ende des Sees liegt der kleine Strand der „Ciottolini“. Die größte Säule der Höhle, die „Grande Organo“, befindet sich in der Sala Smith, während feine Kalkformationen die „Sala delle Trine e dei Merletti“ schmücken. Von der „Tribuna della Musica“ aus bietet sich ein einzigartiger Blick auf die Reggia und den See. Die Höhlenführerin erzählte von einer Besucherin, die um Erlaubnis bat, in der Höhle zu singen – die Akustik war perfekt. Ein Moment reiner Magie in diesem Naturkunstwerk, das über Jahrtausende geformt wurde.
