Terra Italia

In memoriam Günter Trautmann (1941 – 2001)

Richard Brütting

Prof. Dr. Günter Trautmann, der hervorragende Politikwissenschaftler,

Italien- und Russlandforscher, hat uns kurz vor Vollendung seines

sechzigsten Lebensjahrs für immer verlassen. Sein Tod trifft alle hart,

die mit ihm verbunden waren und von ihm so zahlreiche Anregungen und

Schaffensmöglichkeiten erhalten hatten.

Bedeutende Dokumente des in den letzten Jahren gewachsenen Interesses der

deutschsprachigen Länder für das ,tatsächliche’ Italien sind die drei

Bände “Italien in Geschichte und Gegenwart” (1991), “Italien auf dem Weg

zur ‚zweiten Republik’. Die politische Entwicklung Italiens seit 1992″

(1995) und “Italien verstehen” (1997), deren Mitverfasser bzw.

Mitherausgeber Günter Trautmann gewesen ist. Mit mehr als 80 Artikeln hat

er zudem wesentlich zum Gelingen des “Italien-Lexikons” (1995, 1997)

beigetragen.

Das erste Werk liefert eine Gesamtsicht Italiens von der römischen Antike

bis zur aktuellen italienischen Europapolitik. Der Aufsatz “Politische

Kultur und nationale Identität – Italien in den neunziger Jahren”

untersucht nicht nur die italienische Dauerkrise, sondern ist auch eine

amüsante Auseinandersetzung mit Äußerungen von und über Spitzenfußballer

wie Salvatore Schillaci und Diego Maradona. Anhand dieser Symbolgestalten

hat Günter Trautmann aufgezeigt, welche Rolle massenmedialen Stars im

Seelenhaushalt Italiens zukommt. – “Italien auf dem Weg zur “zweiten”

Republik” ist eine unerschöpfliche und unersetzliche Fundgrube für alle,

die sich über die aktuellen Tendenzen der italienischen Politik

informieren wollen. – Das weitverbreitete Buch “Italien verstehen” enthält

einen Querschnitt durch alle wichtige Bereiche des gesellschaftlichen und

kulturellen Lebens Italiens. Programmatisch und hoffnungsvoll, aber auch

vorsichtig heißt es im “Vorwort”: “Negative Vorurteile lassen sich

korrigieren, flexibilisieren – und vielleicht auch ins Positive wenden.

Das wäre ein kleiner, aber wesentlicher und machbarer Schritt nach vorn in

einem zusammenwachsenden Europa”.

Unvergesslich bleibt das von ihm gestaltete Internationalen Seminar

“Visioni dell’altro paese” in Hamburg (1996) mit italienischen, deutschen

und russischen Teilnehmern. Im Anschluss daran hat er mit mir die

Tagungsakten unter dem Titel “Dialog und Divergenz. Interkulturelle

Studien zu Selbst- und Fremdbildern in Europa” (Frankfurt am Main: Peter

Lang 1997) herausgegeben. Die beiden folgenden Bände mit Tagungsakten –

“Dissens und Dialog. Italien, Deutschland und Russland im interkulturellen

Vergleich” (1999) und “Konflikt und Konsens. Deutschland, Italien und

Russland auf dem Weg zum vereinten Europa” (2001) – konnten in der Reihe

“Italien in Geschichte und Gegenwart” (Peter Lang Verlag, Frankfurt am

Main) erscheinen, deren Mitherausgeber Prof. Trautmann gewesen ist.

Günter Trautmann war ein stets hilfsbereiter und einfallsreicher Kollege

und Freund, der vielen von uns aufgrund seiner weitgefächerten Interessen

und Beziehungen über lange Jahre Ratschläge und Hilfen gegeben hat. Sein

Hingang ist ein schmerzlicher Verlust für alle, die sich für die

Verbesserung der internationalen und interkulturellen Beziehungen

einsetzen.

Weiterleiten:

© Copyright TidPress Terra Italia.