Umbrien: der Traum von Solomeo, dem Dorf des Geistes

Das „Projekt für die Schönheit“ von Brunello Cucinelli. Der Unternehmer für Kaschmir-Artikel und Philosoph hat das Tal und das mittelalterliche Dorf in eine „liebenswerte Vorstadt“ umgewandelt

Text und Fotos: Paolo Gianfelici

Solomeo

Solomeo, „Forum der Kunst“

Solomeo – Eine riesige schwarze Wolke hängt über Solomeo, einem kleinen mittelalterlichen Dorf auf dem Gipfel eines Hügels. Ein paar Tropfen Regen und ferner Donner bedrohen 500 Journalisten aus der ganzen Welt bei der Pressekonferenz von Brunello Cucinelli über sein Projekt für die Schönheit. Der Modedesigner, Unternehmer von Luxusartikeln und Philosoph, der jetzt fünfundsechzig Jahre alt ist, hat vor vierzig Jahren das führende Unternehmen in der Welt der Kaschmir-Industrie gegründet. Er erzählte mit echten Emotionen von den Erfahrungen seines Lebens und seiner Arbeit, von seinen Werte. Mitten in seiner Rede und mit einem unglaublichen Coup de théâtre, hat sich der Himmel geöffnet, und die Sonne hat das Dorf Solomeo erleuchtet: die Kirche, das Theater, die perfekt restaurierten Häuser und weiter das Tal mit dem Landwirtschafts- und dem Industriepark, das gesamte Projekt für die Schönheit von Brunello Cucinelli.

Um „den Traum von Solomeo“ (dies ist auch der Titel seines neuesten Buchs mit dem Untertitel „Mein Leben und die Idee des humanistischen Kapitalismus“) zu erleben, muss man hierher kommen, in das geistige und grüne Herz Umbriens, in der Nähe von Assisi und Perugia. Vor vierzig Jahren wurde dieses Tal mit Olivenhainen und Weinbergen, mit verschiedenen Industriehallen entstellt. Der poetische Charakter und die Mystik der umbrischen Landschaft wurden ignoriert. Cucinelli hat die Hallen gekauft („Mein Vater sagte mir, ich sei verrückt“) und daraus einen Industriepark gebaut. In dieser neuen Zentrale des Unternehmens, die mit Wiesen, Zypressen und Brunnen verschönert ist, arbeiten Hunderte von Handwerkern (keine Stechkarte, der Arbeitstag endet um 17.30 Uhr, und die Gehälter sind um 30% höher als anderswo) in großen, hellen Räumen, mit Glaswänden mit Blick auf die natürliche Schönheit der Orte.

Brunello-Cucinelli-Foto-Paolo-Gianfelici (100)Die Basis des „Projekts für die Schönheit“ ist der Wille, der Erde, deren Integrität die Menschen behüten sollten, wieder die Würde zurückzugeben. Der Park der Landwirtschaft besteht aus einen Labyrinth von Weinbergen und erinnert an die italienischen Gärten und an einen kreisförmigen Olivenhain, der die Welt darstellt. Es gibt dann viele Apfelbäume, eine einfache Frucht, Symbol des Lebens in der alten ländlichen Kultur. Über den Weinberg wurde der Weinkeller gebaut, ein beeindruckendes und repräsentatives Gebäude, das an die Renaissance-Villen in der Toskana erinnert.

In einiger Entfernung vom Park der Landwirtschaft befindet sich das Denkmal „Tribut an die Menschenwürde“. Man erreicht es zu Fuß auf einem schmalen Pfad durch die Wiesen: eine Travertin-Exedra mit fünf Bögen, die die fünf Kontinente nach den Proportionen der klassischen Architektur darstellen. Afrika liegt unter dem zentralen Bogen, weil man sich an den Ursprung des Menschen erinnern muss.

Das „Projekt für die Schönheit“ wurde mit der Idee eines „Dorfs des Geistes“ begonnen. Oberhalb von Solomeo gibt es einen Wald mit Eichen, Pinien, Eschen und Zypressen. Auf dem Gipfel befindet sich eine kreisförmige Lichtung. Wenn man in die Mitte steht und die Augen zum Himmel hebt, fühlt man seine ganze Spiritualität. Im Dorf hat Cucinelli ein „Forum der Kunst“ gebaut, ein Amphitheater, einen Dachgarten, ein Theater, eine neuhumanistische Bibliothek und die Schule des Handwerks, wo neue Generationen Schneiderei, Strickwaren, aber auch Landwirtschaft und Gartenbau erlernen.

„Manchmal höre ich“, schreibt Brunello, „dass der Tourismus und der Verlust der Identität in den Vorstädten die Zukunft der alten Städte sei, aber ich denke an alte Städte, die wieder von den Bürgern erlebt werden und an liebenswürdige Vororte, die in Richtung Land gehen genau wie im Gemälde der „Guten Regierung“ von Ambrogio Lorenzetti im schönen Siena des 14. Jahrhunderts“.

Solomeo ist tatsächlich wieder eine freundliche Vorstadt, in der man in Harmonie mit der Natur leben und arbeiten kann.

Info:

www.brunellocucinelli.com

Brunello Cucinelli, „Der Traum von Solomeo“ (Mein Leben und die Idee des humanistischen Kapitalismus), Feltrinelli, 2018

www.solomeo.it

03-11-2018

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