Tizian in seinem Geburtsort Pieve di Cadore

Eine Tour in der Provinz Belluno auf der Suche nach Kunstwerken des Meisters der Hochrenaissance und seiner Schüler

Text und Fotos: Paolo Gianfelici

PieveCadore-Paolo-GianfeliciPieve di Cadore – Ein Steinhaus, wie in der weiten Umgebung nur ein paar existierten: In Pieve di Cadore (Region Venetien in der Nähe von Belluno) wurde um 1477 oder um 1490 Tiziano Vecellio geboren. Die kleinen Zimmer, wo er seine Jugend verbrachte, kann man besichtigen. Es scheint die Sonne in Pieve di Cadore. Die Kulisse für den schönen Platz mit der Statue des berühmten Malers sind die Berge. Ein kalter Wind fegt die wenigen Wolken weg, und die Farben kommen besser zum Vorschein. Im Untergeschoss des Hauses stehen in einer Vitrine verschiedene Schüssel mit farbigen Pulvern. Die Fähigkeit der Maler, die Farben zu mischen, ist der Baustein ihrer Kunst. Tizian ging schon sehr jung nach Venedig, um Maler zu werden, und kam sehr wahrscheinlich nach Pieve di Cadore nur selten zurück. Doch seine Wurzeln sind hier, und man kann sich vorstellen, wie die Schönheit dieser Natur ihn inspiriert hat. Er war Künstler, aber auch Unternehmer und eröffnete verschiedene Werkstätten, wo Bilder hoher Qualität gemalt wurden. Aus diesen Grund, und wenn die Leinwand nicht genau von Tizian signiert ist, ist es nicht leicht zu verstehen, wer tatsächlich ein bestimmtes Bild gemalt hat.

Es handelt sich um Fragen, die Kunstexperten leidenschaftlich diskutieren. Als normaler Besucher dieser Gegend kann man die „Terre di Tiziano“, das Gebiet um seinen Geburtsort, voll genießen. Bevor ich Pieve di Cadore verlasse, kann ich ein antikes Dokument bewundern. Im Sitz der „Magnifica Comunità di Cadore“, einer alten Art Selbstregierung, befindet sich die originale Urkunde, mit der Kaiser Karl V. Tizian zum Ritter vom Goldenen Sporn ernannte. Die elegante Schrift ist perfekt erhalten, zum Dokument gehört noch das echte Siegel.

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Die „Suche“ nach Tizian geht in Lentiai weiter. In die Kirche S. Maria Assunta ist die Holz-Kassettendecke bemalt. Hier war Cesare Vecellio, ein Vetter von Tizian, am Werk. Am Altar steht wiederum ein Polyptychon. Die Experten meinen, der dargestellte Heilige Tizian sei vom gleichnamigen Meister gemalt worden. Der Pinselstrich scheint auch einem normalen Betrachter raffinierter als der auf den anderen Figuren und der Gesichtsausdruck intensiver. Tizian hatte viele Verwandte, seine Werke findet man in Kirchen des ganzen Gebietes. Eine kleine Überraschung ist der Dorf Mel mit seinem breiten Hauptplatz (leider jetzt noch als Parkplatz benützt), umringt von schönen Palästen. Eine der Fassaden müsste dringend restauriert werden, aber diese Dekadenz hat einen gewissen Charme. Ein Beispiel für liebevolle Modernisierung mit Erhaltung der antiken Atmosphäre ist die Locanda Cappello, ein Restaurant, dessen Geschichte um 1730 beginnt und wo man im schönen, mit Fresken geschmückten Saal gemütlich und raffiniert essen kann.

Info:

Pieve di Cadore  http://magnificacomunitadicadore.it

Locanda Cappello , Dorf Mel, www.anticalocandacappello.it

 

 

 

04-01-2019

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