Apulien: die biologischen Weine der Cantine Polvanera

Weinstöcke in “Baumform” und eine außergewöhnliche, in den Kalkfelsen gehauene Kellerei. Verkostung des weißen Minutolo und des roten Primitivo

Text und Fotos: P.G.

Acquaviva delle Fonti – Durch die Autofenster dringt eine heiße und trockene Luft ins Innere. Dieses Jahr wird die Lese vorgezogen, der Wein wird voraussichtlich gering und von bester Qualität sein. Wir nehmen eine Nebenstraße. Alte Steinmauern umgrenzen die Weinberge und Olivenhaine. Die Cantine Polanera (‚Schwarzer Staub‘) sind berühmt für ihren Rotwein Primitivo IGT Puglia. In den Fluren, wo heute biologische Landwirtschaft betrieben wird, stellte man bis vor einige Jahrzehnte Holzkohle her. Jeder Zoll Erde war bedeckt mit schwarzem Staub. Ein ordentlicher Sprung in Richtung Umweltqualität: von der Herstellung eines ärmlichen und verschmutzenden Brennstoffs für den Hausgebrauch zu biologischen Qualitätsweinen, die in die ganze Welt exportiert werden.

Ich gehe in den alten Weinkeller hinunter: Es öffnet sich ein immenser, etwa 10 m hoher Raum, der in den an allen vier Wänden sichtbaren Kalkfelsen gehauen wurde (also unverputzt ist, ohne Verkleidung mit Ziegeln oder Zement). Das Schauspiel im Halbdunkel enthüllt gewaltige Steine und unterschiedliche Farben, die von Weiß nach Grau und zum eisenhaltigen Rot gehen. Schon ohne von Rebensäften zu sprechen, könnte man hier eine Vorlesung in Geologie abhalten. Unter einer leichten Schicht weißen Staubs ruhen Liter- und Halbliterflaschen bester Jahrgänge auf den Regalen.

Der Boden der Weinberge besteht aus wenigen Zentimetern eisenhaltiger Erde, darunter befindet sich der Stein, der für die Vegetation Wasser und Wärme. speichert bzw. liefert. Ein ideales Habitat zur Produktion des Primitivo, dessen Beeren, wie ihr Name sagt, als erste reifen.

Ich mache nun einen Rundgang durch die „Rebenbäume“. Filippo Cassano, Besitzer, Agronom und Weinexperte des Anwesens, zeigt uns zufrieden die rot-violetten Trauben, die in wenigen Tagen geerntet werden sollen.

Die „Probierstube“ ist ein restauriertes Gebäude aus dem Jahre 1820 (an diesem Ort stellte man Holzkohle her). Ich verkoste einen Öko-Weißwein IGT Puglia aus Minutolo-Trauben. Die einheimische Rebsorte wurde erst kürzlich wiederentdeckt und erfolgreich auf dem Markt eingeführt. Sie hat ein intensives, feines Bukett und riecht nach Bergamotten, die symbolische Essenz Süditaliens. Ihr Geschmack ist aromatisch und „dicht“ –wie Weine von ehemals.

Das Angebot der Weinkellerei geht vom Spumante zum Roséwein, aber die Neugierde, sogleich an das Spitzenprodukt zu gelangen, ist stark. Polvanera 17, der biologische Primitivo IGT Puglia, leuchtet im Weinglas in purpurfarbigen Reflexen. Das intensive Bukett enthält die Aromen von stacheligen Brombeeren (ein weiterer Hinweis auf die mittelmeerische Macchia!). Die Gerbstoffe sind auf natürliche Weise gemildert. In der Kellerei gibt es keine großen Fässer und Barriques, und damit keinen Holzgeschmack. Der Wein reift nur in Behältern aus Edelstahl (zwei Jahre) und in der Flasche (ein Jahr). Trinkt man ihn, so schmeckt man am Gaumen den Saft der Trauben dieser großzügigen Erde. Und du vergisst ihn (sie) nicht!

Übers.: Richard Brütting

Info:

Cantine Polvanera
www.cantinepolvanera.it (auf Deutsch)
Strada Vic.le Lamie Marchesana, 601
70023 Gioia del Colle (Bari)
Tel +39 080 758900
info@cantinepolvanera.it

 

06-09-2017

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