„Arabisch-normannisches Palermo“, Welterbe mit großer Vergangenheit und großer Zukunft

Feiern zum 1. Jahrestag des neuen sizilianischen UNESCO-Welterbes. Umgang mit Migranten in Sizilien und Bedeutung des Kulturtourismus

Text und Fotos: Richard Brütting

Sommerresidenz Zisa

Sommerresidenz Zisa

Palermo – Vor einem Jahr wurden Palermo und die Kathedralen von Cefalù und Monreale in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Somit hat die Region Sizilien jetzt die meisten (7) Welterbe-Stätten in Italien, das seinerseits das Land mit den meisten (51) Welterbe-Stätten ist. In Anwesenheit des Staatspräsidenten der Republik Italien, Sergio Mattarella, wurde die offizielle Verleihung des Titels „Arabisch-Normannisches Palermo mit den Kathedralen von Cefalù und Monreale“ am 28. Oktober im Palazzo Reale, dem sizilianischen Herrscherpalast seit der Zeit der Normannen-Könige, gebührend gefeiert. Bei dieser Gelegenheit hatte ich die Möglichkeit, so bedeutsame Kulturdenkmäler wie den Königlichen Palast mit der Cappella Palatina, die normannische Sommerresidenz Zisa und die Kirche San Giovanni degli Eremiti zu besichtigen. Zum arabisch-normannischen Welterbe gehören weiterhin die Kathedralen von Palermo, Monreale und Cefalù, die Kirchen Santa Maria dell’Ammiraglio und San Cataldo sowie die Ammiraglio-Brücke.

Die Festredner wiesen mehrfach auf das besondere Verhältnis Siziliens gegenüber Migranten hin: Aufgrund jahrtausendelanger Erfahrungen mit kriegerischen Invasoren, mit Flüchtlingen und Einwanderern aus unterschiedlichen Gebieten der Welt verstehen sich Palermo und Sizilien als Schmelztiegel von Völkern, Religionen und Kulturen. Mehrmals wurde betont: „Wer nach Sizilien kommt, gilt als Sizilianer“. So verwendet man zur Bezeichnung einer Person, die nach Sizilien einwandert, im Allgemeinen nicht das ansonsten in Italien übliche Wort STRANIERO (‘Ausländer‘; mit der Nebenbedeutung ‘fremdartiger Mensch‘). Vielmehr spricht man von einem FORESTIERO (‘Ortsfremder‘). Die von Leoluca Orlando, dem mehrfach wiedergewählten Oberbürgermeister von Palermo, unterzeichnete „Charta von Palermo“ vertritt entsprechend die Forderung nach einer generellen Freizügigkeit nicht nur im Schengen-Raum der Europäischen Union, sondern im internationalen Bereich.

S.Giovanni degli Eremiti - Kreuzgang

S.Giovanni degli Eremiti – Kreuzgang

Mit Blick auf die Zukunft und die oft erwähnte Wiedergeburt der Insel, wurde in den Vorträgen die überragende Bedeutung des Kulturtourismus betont. Hierfür sind in Sizilien seitens der architektonischen Denkmäler, der Kunstschätze und der Naturschönheiten alle Voraussetzungen gegeben, und nicht zu vergessen sind die Genüsse der hervorragenden Küche, die Hanns-Josef Ortheil kürzlich in seinem Buch „Die Insel der Dolci“ eingehend gewürdigt hat. Aber gerade in der verwinkelten Altstadt von Palermo sollten öffentliche Verkehrsmittel und die Bedürfnissen von Fußgängern noch mehr Beachtung finden. Löbliche Initiativen der letzten Jahre sind zu erwähnen: Vom Parkplatz Basile und von der Porta Felice fahren in kurzen Abständen kostenlose Minibusse zur Piazza Indipendenza; die Kilometer lange Via Vittorio Emanuele ist autofrei, ebenso wurden neue Fußgängerzonen eingerichtet, so um den Normannenpalast. Aber es gibt es noch erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten: Da Zebrastreifen von den Autofahrern selten beachtet werden, sollten die Fußgängerüberwege durch Verkehrsampeln abgesichert werden. Erforderlich erscheinen mir mehr Einbahnstraßen und vor allem eine strenge Kontrolle der Parksituation, da die an sich schon schmalen Bürgersteige weitgehend von Fahrzeugen blockiert sind.

Info:
Fondazione Patrimonio UNESCO Sicilia, Via Vittorio Emanuele 353-355, 90133 Palermo.
www.unescosicilia.it    www.unescoarabonormanna.it

15-11-2016

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