Alezio, eine antike Geschichte mit modernem Charme

Ein Streifzug durch die Traditionen begleitet von der Herzlichkeit der Bewohner, exzellente Weine und das hervorragende Extranative Olivenöl

Text und Fotos: Elvira D’Ippoliti

Nekropole der Messapier

Nekropole der Messapier

Das Fest des Heiligen Rochus

Das Fest des Heiligen Rochus

Alezio (Provinz Lecce) – In den Olivenhainen, die das Städtchen Alezio umgeben, spürt man den Herbst. Der Wind zwischen den silbernen Blättern ist eindringlicher geworden und spielt mit den Wolken am Himmel. Die Stimme der sommerlichen Insekten wird vom leisen Zwitschern der Vögel ersetzt. Diese scheinen sich Informationen über die anstehenden, kälteren Jahreszeiten auszutauschen. Im Palazzo Castriota, dem schönen B&B in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums, erhellt eine morgendliche, scheue Sonne die hohen Wände des eleganten Zimmers. Alezio wird nach dem langen Sommer faszinierender. Der Herbst und der Winter sind die idealen Momente, um die tiefe und spannende Geschichte der Stadt zu erleben, begleitet von der Herzlichkeit der Bewohner, die gerne die hiesigen Traditionen pflegen. „Quanta devozione e quantu sentimentu“, so viel Verehrung und religiöses Empfinden wird dem Fest des Heiligen Rochus, das am dritten Wochenende im Oktober organisiert wird, zugeschrieben. Während der Feiertage werden die Gäste als Teil der Stadtbewohner angesehen: Man geht alle zusammen zur Prozession, blickt auf das wunderbare Feuerwerk und kostet Spezialitäten, die zum Fest passen. Wie die „scapece“, gebratene, kleine Fische, die in Essig, Brot und Safran eingelegt werden. Es ist angenehm leicht ein echter „aletino“ zu werden.

Antonietta de Pace (von G. Garibaldi Zeit)

Antonietta de Pace (von G. Garibaldi Zeit)

Borgo Rosso Terra

Borgo Rosso Terra

Die Gegend um die heutigen Städte Lecce, Tarent und Brindisi war von den Messapiern schon im 8. Jahrhundert vor Christus bewohnt. Im „Museo messapico“ von Alezio ist eine kleine Auswahl von Vasen und Juwelen ausgestellt. Der typischste Behälter ist die sogenannte „trozzella“ mit einfachen Linien, die aber mit vier kleinen Scheiben, die an den zwei Henkeln fixiert sind, verziert ist. Ein kurioses Objekt, das auch in eine moderne Design-Kollektion passen würde. Die Messapier behalten auf jeden Fall ihre Geheimnisse für sich, da man die Schrift dieses Volkes bis jetzt noch nicht entziffern konnte. Die vorgefundenen Inschriften kann man nur interpretieren, und auch vom Namen „Messapier“ weiß man nur, es könnte die griechische Bezeichnung des „Volkes zwischen zwei Meere“ sein.

Vergangenheit und Gegenwart geben sich in Alezio di Hand. Im Palazzo Castriota wohnt man in Zimmern, die modern ausgestattet sind, aber wo auch echte, alte Werkzeuge ausgestellt sind. Landwirtschaft war die Hauptaktivität des Gebietes. Extranatives Olivenöl aus Apulien und der Wein sind seit jeher typische Produkte. Mit einem grundsätzlichen Unterschied: beide sind nun von höchster Qualität, wie auch die Gerichte, die in den vielen Restaurants vorbereitet werden. Im Salento wird nicht wenig gegessen. Als Vorspeise müssen unbedingt die „pittule“ auf den Tisch, frittierter, dünnflüssiger Teig. Auf anderen (vielen) Tellern werden Gemüse, Salami, Käse und was sich sonst noch alles der Koch ausgedacht hat, serviert. Eine Pasta und das Hauptgericht dürfen auch nicht fehlen, um die kulinarische Erfahrung abzurunden. Die heitere Atmosphäre bleibt immer die Hauptzutat.

Im Salento lebt man gut. Weinproduzent „Coppola“ hat in der Nähe von Alezio einen wunderschönen Keller bauen lassen, mit Restaurant und Degustationssaal. Der Schaumwein aus 100% Negroamaro wird mit klassischer Methode hergestellt und passt perfekt zum raffinierten Ambiente, das diese Familie, die Wein seit 1489 keltert, kreiert hat. Auf dem umliegenden Land kann man auch wohnen und den Blick auf die weiße Architektur des Kellers bei einem Spaziergang genießen. Wenige Kilometer, und man ist am Strand. Von einer Terrasse blickt man auf die Weite der Olivenbäume des Ölproduzenten „Francesca Stajano“ in Alezio. Das Feuerbakterium hat im Salento allerdings zu einem tiefen Wandel geführt. Die alten Bäume stehen auf den Feldern wie schwarze, blattlose und dramatische Skulpturen, aber die gegen Bakterien resistente „neue“ Sorte Leccino schmeckt hervorragend und ist moderner.

So scheint in Alezio die Zeit angekommen zu sein, sich aus neuer Sicht zeigen zu können. Mit antiken Sehenswürdigkeiten: mit der Nekropole der Messapier und dem Heiligtum der „Madonna della Lizza“ zum Beispiel. Das letztere ist ein beeindruckend einfaches und elegantes Gebäude aus den 12. Jahrhundert. In der Kirche stellt ein rundes Fragment eines Fresko-Gemäldes das Gesicht der Mutter Gottes dar. Der Schleier, der ihr Haupt bedeckt, ist auf einer Seite mit Pinselstriche in den Farben des Regenbogens unterstrichen. Der neue, leuchtende Start der Stadt Alezio hat tiefe Wurzeln.

Comune di Alezio
www.comune.alezio.le.it

04-11-2019

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