“Da Duchamp a Cattelan”: zeitgenössische Kunst auf dem Palatin-Hügel

100 Werke von Künstlern aus 25 verschiedenen Nationen, darunter große Installationen, Skulpturen, Gemälde, Fotografien und Papierkreationen, sind bis 29. Oktober zwischen den Ruinen Roms aus der Kaiserzeit zu sehen

Text und Fotos: TiDPress

Rom-Palatin-Paolo-Gianfelici (2)CRom – Der Palatin-Hügel, eine „Insel“ jenseits der Zeit, beherbergt die Überreste der Paläste von Kaiser Augustus. Das Alltagsleben der realen Stadt pulst ganz in der Nähe, ist aber vom Palatin getrennt und hat keinen Kontakt zu ihm. Die Ausstellung auf dem Palatin „Zeitgenössische Kunst und Archäologie“ will ein wenig diesen Abstand verringern und die äußerst zahlreichen Touristen mittels einer ungewöhnlichen Gegenüberstellung neugierig machen.

Das Stadio Palatino trägt die Farbe des Rots gebrannter Ziegeln und des Grüns der Meer-Pinien. Zahlreiche Besucher, die sich dorthin begeben, fragen sich welche Beziehung zwischen der im Country-Stil auf einer Wiese erbauten Holzhütte und den klassischen architektonischen Linien bestehe. Zudem ist die Hütte schief, der Portikus hängt über, die Fenster sind asymmetrisch, die Eingangstür befindet sich im ersten Stock, hat aber keinen Treppenaufgang. Ein nicht bewohnbarer Ort, in Widerspruch zur Idee von Überfluss und Bequemlichkeit der Thermen und der Gärten der Domus Augustana. Die Installation „After Love“ von Vedovamazzei (2003) erhält ihre Inspiration von einem Film mit Buster Keaton, eine glänzende Parodie des Stereotyps von der glücklichen Provinz.

Der künstlerische Weg von der Klassik zur Gegenwart ist lang und windet sich in einem Auf und Ab zwischen Exedren, Thermen und Aquädukten. An den höchsten Aussichtspunkten haben die Installationen die Denkmäler der Renaissance und des Barocks zum Hintergrund. Dies geschieht beim „Space Rendez-vous“ von Christian Philipp Müller (2008), wo sich die Raumschiffe Apollo und Soyus im All treffen.

Zu Beginn und am Ende des Rundgangs erheben sich oberhalb der Arkaden des Aquädukts Aqua Claudia, der die Kaiserpaläste mit Wasser versorgte, an einem Steilhang einige immense Sonnenschirme mit durchlöchertem, ausgebleichtem Stoff. Es handelt sich um die „Sechs Strandsonnenschirme“ (1991) von Ario Airò. Sie verwandeln den zeitlosen Ort des archäologischen Bezirks in einen unerwarteten Raum, der aber durchaus einem Bild vom Badebetrieb auf der italienischen Halbinsel gleicht.
Übers.: Richard Brütting


Info:

“Da Duchamp a Cattelan” Arte contemporanea sul Palatino

Finissage am Sonntag, 29. Oktober 2017, Foro Palatino, Via di San Gregorio, 30

Die Schau zeigt 100 Werke von Künstlern aus 25 verschiedenen Nationen, darunter große Installationen, Skulpturen, Gemälde, Fotografien und Papierkreationen. Neben anerkannten Meistern, wie Marina Abramović, Marcel Duchamp, Gilbert & George, Joseph Kosuth, Michelangelo Pistoletto, Remo Salvadori, Mario Schifano, werden die Werke einiger der bedeutsamsten Vertreter der letzten Generationen vorgestellt.

10-09-2017

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