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Perugia: San Francesco, unser Zeitgenosse

Ein Rundgang durch Stille, Halbdunkel und zeitgenössische Visionen, der das spirituelle Erbe des heiligen Franziskus in eine Erfahrung der Kontemplation und der Fürsorge für die Schöpfung verwandelt.

Perugia: San Francesco, unser Zeitgenosse

Text: Elvira D’Ippoliti

Laudato sii“, schrieb der heilige Franziskus in seinem wunderbaren Sonnengesang.
In der heutigen Gesellschaft spricht man oft von Dankbarkeit als Lebenshaltung, und doch sucht man ständig nach etwas Unbestimmtem, das unsere Sorgen lindern könnte. Kunst und Spiritualität werden so zu wesentlichen Werkzeugen, um den inneren Horizont zu öffnen.

Die Ausstellung „San Francesco – unser Zeitgenosse. Zwischen Kunst und Spiritualität“, die bis zum 1. November 2026 im prachtvollen Palazzo Baldeschi in Perugia zu sehen ist, widmet sich genau diesem Dialog: einer idealen Begegnung zwischen zwei der tiefsten Ausdrucksformen des menschlichen Geistes. Zahlreiche italienische und internationale Künstler begleiten die Besucher auf einem Weg, auf dem die Figur des Heiligen nur zu Beginn ikonografisch erscheint, dessen Liebe zu den Menschen und zur göttlichen Schöpfung jedoch wie eine Oase der Erneuerung spürbar bleibt.

Die Räume des Piano Nobile im Palazzo Baldeschi – mit ihren Freskendecken, Murano-Lüstern, Damaststoffen und Seidentapeten – liegen im Halbdunkel, aus dem die ausgestellten Werke eindrucksvoll hervortreten.

Schon zu Beginn wird deutlich, dass dieser Rundgang auch eine Einladung zur Meditation ist. Begünstigt durch Stille und gedämpftes Licht verweile ich lange vor dem Werk Omar Gallianis, In lumine Dei. Die beiden Tafeln eröffnen eine ferne, geheimnisvolle und zugleich tröstliche Dimension. Im Mittelpunkt steht der von hinten gezeichnete Oberkörper einer Frau, vollständig in Bleistift ausgeführt. Man weiß nicht, was sie betrachtet, doch man fühlt sich in ihre Gedanken hineingezogen – verstärkt durch die zweite, vollständig vergoldete Tafel, in die der Sonnengesang der Geschöpfe eingraviert ist. Einige Räume weiter schützt Emilio Isgrò die Worte des Heiligen mit seinen berühmten konzeptuellen Streichungen, die das Unlesbare in einen Schatz verwandeln, der Anstrengung und Aufmerksamkeit verlangt.

Von der Predigt des heiligen Franziskus an die Vögel inspiriert ist die Skulptur Mimmo Paladinos, Caduto a ragione, in der die essenzielle Figur eines Mannes von Vögeln umgeben ist. Auch Luigi Serafini vermittelt mit La langue secrète des oiseaux eine kraftvolle Botschaft der Fürsorge für die Schöpfung: leuchtende Farben, surreale Formen und ein kleines Nest außerhalb des Bildes verstärken das Staunen. Das Video von Gino De Dominicis, mit seinen poetischen Flugversuchen, ist ein kleines Meisterwerk, während die berühmte Venere degli stracci von Michelangelo Pistoletto mit ihrer genialen Schlichtheit fasziniert.

Die Ausstellung „San Francesco – unser Zeitgenosse“ ist nicht nur kulturell, sondern auch spirituell bereichernd. Jeder Künstler findet seine eigene Sprache, um die Besucher innerlich zu berühren. Vielleicht ist es die überwältigende Präsenz des Gründers des Franziskanerordens – mit seiner unendlichen Liebe zur Natur und zu den Ausgegrenzten sowie seiner beispielhaften Ablehnung von Reichtum –, die heute mit einer Kraft nachhallt, die unsere moderne Gesellschaft dringender denn je braucht.

“San Francesco nostro contemporaneo. Tra arte e spiritualità”

Perugia, Palazzo Baldeschi

bis 1. November 2026

In Perugia sollte man sich bis zum 14. Juni 2026 den Besuch der Ausstellung „Giotto und der heilige Franziskus. Eine Revolution in Umbrien des Trecento“ in der Galleria Nazionale dell’Umbria nicht entgehen lassen. Die Schau beleuchtet das Zusammentreffen zwischen dem Charisma des heiligen Franziskus von Assisi und der innovativen Bildsprache Giottos – ein Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 800. Todestag des Heiligen.

Mit über sechzig Werken zeichnet die Ausstellung den Übergang von der byzantinisch geprägten „maniera greca“ zu einer natürlicheren, emotionaleren Darstellung der Wirklichkeit nach. Vom großen Assisi Zyklus bis zu den Beiträgen von Simone Martini und Pietro Lorenzetti zeigt der Rundgang, wie in Umbrien eine neue künstlerische Sensibilität entsteht, die den Weg zur modernen Kunst ebnet und die spirituelle Erneuerung des Franziskanertums widerspiegelt.

Giotto e San Francesco. Una rivoluzione nell’Umbria del Trecento

Bis 14. Juni 2026

Galleria Nazionale dell’Umbria

Perugia, Palazzo dei Priori

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