Terra Italia

LOGOS: Zehn Millionen Wörter in 113 Sprachen pro Monat

Paolo Gianfelici

Modena (Terra Italia) – Modena ist nicht nur die Stadt der Ferraris, des Tenors Luciano Pavarotti, der Tortellini, des Balsam-Essigs und des Lambrusco. In Modena hat auch die Gruppe LOGOS, eine der weltweit bedeutendsten Firmen für
vielsprachliche Internet-Information (Nummer 1 in Europa), ihren Sitz.


3000 Mitarbeiter in der gesamten Welt arbeiten unter Verwendung modernster Technologien zu Hause an einem einzigartigen Sprach- und Kulturprojekt.
Das unmittelbare und alltägliche, freilich sehr einträgliche Ziel der Firma ist die Übersetzung ungeheurer Textmengen, zumeist von Handbüchern mit ebrauchsanweisungen für Produkte wie Handys, Computer, elektrische shaltsgeräte usw. LOGOS entstand 1979 als Übersetzungsbüro für die örtlichen Kleinunternehmer; heute ist LOGOS spezialisiert auf vielsprachliche Dienstleistungen für Portal- und Web-Seiten sowie für E-Commerce-Plattformen. Die wichtigsten Kunden der Gruppe sind Philips, Texas Instruments, DaimlerChrysler, Hoechst, Ericsson, Nokia und Barilla.
Für das Jahr 2000 wird ein Umsatz von 25 Mio. Euro erwartet.
Der Präsident von LOGOS, der Exil-Chilene Rodrigo Vergara, der vor etwa 30 Jahren auf der Flucht vor der Pinochet-Diktatur nach Italien gekommen ist,hatte 1995 die geniale Idee, das online-Wörterbuch “Living Dictionary” zu kreieren, das heute 8 Mio. Wörter in 176 Sprachen umfasst. Gemäß der Philosophie Vergaras darf sich der althergebrachte Beruf des Übersetzers nicht substantiell, sondern nur in Hinblick auf die Verwendung neuer
Arbeitsmittel verändern. Bei LOGOS weist man den Gedanken zurück, in Zukunft könne die automatische Übersetzung Fuß fassen. Denn der Mensch habe ein grundsätzliches Primat, nämlich die Fähigkeit, durch Sprache alle
nur denkbaren ‘sfumature’ (Nuancen) ausdrücken und verstehen zu können.
Maschinen können ihm nur insofern helfen, als sie frühere
Arbeitsergebnisse erneut verwenden und damit die für die Anfertigung einer Übersetzung nötige Zeit abkürzen. Mit anderen Worten: Der Übersetzer wird nicht mehr ex novo 100% eines neuen Textes übersetzen, sondern nur die
bisher noch nicht übersetzten Sätze, die nicht im Speicher von Logosys, dem Gehirn von LOGOS, enthalten sind.
Per Internet haben die Übersetzer Zugang zu einer äußerst reichen Fundgrube von Informationen, die man zum großen Teil kostenlos auf den PC downloaden kann. Die Fundgrube besteht aus dem “Living Dictionary”, dem universellen Konjugator “Verba” und “Wordtheque”, einer der inhaltsreichsten multilingualen Bibliotheken im Internet (17.000 Texte in 113 Sprachen). Dieses ungeheure digitale Archiv, das nach Art kommunizierender Röhren strukturiert ist, durch die man von den Wörtern zu den Texten und den Kontexten gelangt, um dann zu den Wörtern zurückzukehren, ist jedermann über die Portal-Seite www.logos.it
zugänglich.
“Living Dictionary” und “Verba” sind für Beiträge von außen offen, die nach einer Kontrolle durch die Linguisten von LOGOS online publiziert werden. Dieses System hat es ermöglicht, Idiome im Archiv zu speichern,die von wenigen hundert- oder zehntausend Personen gesprochen werden, wie
Bretonisch, Friesisch, Sardisch (sardo campidanese; sardo logudorese) oder sogar Fidschianisch. “Wordtheque” ist ein elektronischer Editor, der die kostenlose online-eröffentlichung neuer, vorzugsweise in kleineren
Sprachen verfasster Texte anbietet. Man kann die Bücher gegen eine Gebühr downloaden; die Honorare gehen ausschließlich an den Autor und den Übersetzer.
Zum Schluss möchten wir noch auf zwei online-Initiativen der LOGOS-Gruppe im Bereich der Tourismus-Information hinweisen: www.agriturismoinitalia.com(unter der gleichen Adresse auch in deutscher Sprache) beschreibt mit Texten, Fotos und Landkarten die Naturparks, gastronomischen Spezialitäten und typischen Feste der 20 italienischen
Regionen. Die Web-Seiten enthalten auch ein Verzeichnis mit Fotos und eine kurze Beschreibung Tausender von Angeboten für “Ferien auf dem Lande” – von Südtirol bis Sizilien; www.giardinigiardini.com enthält journalistische Dienste über öffentlich zugängliche, aber kaum bekannte botanische Gärten in Italien.

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