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Sensationelles Perugia

Der amerikanische Starfotograf Steve Mc Curry stellt seine Fotos über Umbrien und Perugia in der umbrischen Hauptstadt aus: eine Liebeserklärung, die jeden Besucher tief berührt

Sensationelles Perugia

Text und Fotos: Elvira D’Ippoliti

Ein dunkler Raum, in dem die Fotos wie farbige Wurzeln aus der Erde herauskommen. Die Ausstellung der Werke des amerikanischen Starfotografen Steve Mc Curry in Perugia trägt den Titel „Sensational Umbria“; sie ist auch in der Inszenierung grandios. Man erreicht das ehemalige Krankenhaus Fatebenefratelli nach einem Spaziergang durch die umbrische Stadt und ihre unterschiedlichen Ebenen.Umbrien-Foto-TiDPress (9) Die dichte Verdunklung lässt kein Licht in den Raum dringen. Einen Augenblick lang bleibt man unentschlossen im Dunklen stehen. Man schaut herum: Auf Plexiglas gedruckte Farbfotos sind auf erhellte Rahmen gestellt worden, und wenn man darauf blickt, hat man den Eindruck, mit der Genialität des Fotografen direkt in Kontakt zu kommen. „Umbrien ist einzigartig auf der Welt“, sagt Mc Curry, der lange Zeit in Indien und Afghanistan verbracht hat und sich generell auf dem ganzen Globus gut auskennt. „Seine Reichtümer sind die Kunst, die Kultur, die spektakulären Panoramen und die Gastfreundlichkeit der Bewohner“. Eine Liebeserklärung, die der Fotograf mit seinen Bildern bestens ausdrückt.

Umbrien-Foto-TiDPress (8)Tief wurde Mc Curry von den Traditionen beeindruckt, die an das Mittelalter anknüpfen: In Bevagna findet alljährlich der „Mercato delle Gaite“ statt, ein Festival, bei dem sich alle Bewohner wie anno 1300 kleiden, um altes Handwerk wie auch den ehemaligen Markt und die Gastronomie wieder zum Leben zu erwecken. Symbol dieses historischen Festivals ist Veronica Corvellini: Ihr Porträt im Mittelalter-Look ist Titelbild der Ausstellung geworden, und aus ihrem Gesicht – „eine umbrische Madonna“, wie McCurry sagt – strahlt die Schönheit der Region. Natur, Kultur, aber auch Geistlichkeit sind in Umbrien überall präsent. Echte Meisterwerke, die tiefe Emotionen vermitteln, sind die Fotos, die Mc Curry in Kirchen, wie dem Dom von Orvieto oder Santa Maria Maggiore in Spello, gemacht hat. Licht und Farben scheinen direkt von himmlischen Höhen aus die Erde erreicht zu haben, und die Intensität des Glaubens spricht sehr klar aus dem Bild.

Der zweite Teil der Ausstellung ist der Stadt Perugia gewidmet und befindet sich im Palazzo della Penna. Hier wurden Mc Currys Fotos unter die von Joseph Beuys bemalten Schiefertafeln gestellt. „Als die Stadt Perugia die Tafeln für 25 Millionen Lire kaufte, wurde die Stadtverwaltung sehr kritisiert“, erzählt man im Museum. „Jetzt ist jede Tafel viel mehr wert“. Perugia ist eine Schatztruhe, die immer neue Kunst wie ein Magnet anzieht. Die Altstadt ist wie ein „salotto“ mit schönen Kaffeehäusern und eleganten Geschäften. Seitlich des zentralen Corso Vannucci öffnen sich winzige Gassen, die andere Schätze aufbewahren, wie die gastronomischen Köstlichkeiten des kleinen Restaurants „Osteria a Priori“. Die „torta al testo“ ist eine duftende Focaccia, die man unbedingt warm mit der hervorragenden Salami und mit Käse aus der Region isst. Zur Tradition gehören auch Ei mit Trüffel und die unvergessliche Linsensuppe. In der „Osteria a Priori“ würde man liebsten alle Gerichte ausprobieren, aber man sollte nicht das Lokal verlassen, ohne die Artischocken mit Wacholderbeeren probiert zu haben.

Nach den Mittagessen ist der Tag in Perugia noch lang: Einen kuriosen Stadtausflug bietet die Minimetrò. Die kleinen Wagen gleiten erst im Tunnel und dann im Freien nach unten. Von der Altstadt kann man leicht in zwanzig Minuten die grüne Peripherie Perugias erreichen. Die Alternative in dieser unebenen Stadt ist eine Wanderung bergauf und bergab. Zur Hilfe kann man auch verschiedene Rolltreppen benützen: Einige sind tief in die Rocca Paolina eingebaut. Papst Paolo III. ließ 1543 viele Privatwohnungen der Familie Baglioni zerstören, um dieses Symbol seiner Herrschaft zu errichten. Übrig geblieben ist das Kellergeschoss des Papstpalastes. Man geht durch hohe Gewölbe, und die Gedanken gehen wieder zu den Fotos der Ausstellung von Mc Curry zurück: Jeder Besucher kann in Perugia seinen persönlichen Meisterwerk in der Stadt der Kunst und der Kontraste kreieren.

Info:
„Sensational Umbria“
Fotos von Steve Mc Curry bis 5. Oktober 2014
www.sensationalumbria.eu
 
Umbrien-Foto-TiDPress (1)Umbriasì
Infopoint Piazzale Umbria Jazz (Endstation Minimetrò)
www.umbriasi.it
 
Osteria a Priori
Via dei Priori
www.osteriaapriori.it
 
 
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