Terra Italia

Das Geheimnis der römischen Schiffe im See von Nemi

Rita Schneider

Wem es in Rom im Sommer zu heiß ist, der zieht sich in das hügelige Umland südlich von Rom zu den Castelli Romani zurück. Mehrere Seen bieten Panorama, Trekking, Pferdetouren, außergewöhnliche Kulturstätten, leichte, frische Weine zur deftigen Regionalküche. Ausgangspunkt für verschiedene Touren ist der Lago di Nemi, einer der Vulkanseen, in dem in den 30er Jahren zwei römische Originalschiffe geborgen wurden.




Lago di Nemi. Foto: Fabrizio Cartocci

Nemi (Terra Italia) – Rom ist sicherlich ein ganz besonderer Publikumsmagnet im Sommer und Hauptanziehungspunkt für viele Touristen, die endlich mehr Zeit in den Sommerferien nehmen können, um die ewige Stadt kennen zu lernen. Es ist allerdings bei einer drückenden Hitze und stechender Sonne sehr beschwerlich, ein großes Besichtigungsprogramm in den Sommermonaten zu absolvieren. Geradezu ideal wäre daher – so wie es die Römer selbst tun – eine kleine Flucht in die ländliche Sommerfrische, am besten in eine Gegend, die gute Luft, gutes Essen und interessante Kulturstätten verspricht.
Ca. 25 km süd-östlich von Rom gelegen folgt man der Richtung Castel Gandolfo, fährt durch Ariccia bis Genzano durch, biegt dann aber links in Richtung Nemi (521 m hoch) ein. Als Nemus Aricinum in der Frühgeschichte erwähnt, ist Nemi der Legende nach der wahre Geburtsort von Romolo, dem Gründer Roms, daher kann man also in dieser Gegend den Ursprüngen der römischen Geschichte nachgehen.
Was den Lago di Nemi weltbekannt gemacht hat, sind die legendären Funde aus den Tiefen des Vulkansees, die rund 2000 Jahre 34 Meter tief schlummerten. Es handelt sich um die beiden Prunkschiffe, die der Kaiser Caligola im Jahre 37 n. Chr. in Auftrag gegeben hatte. Caligola ließ sich gerne als Gott verherrlichen und war bekannt für seine Verrücktheiten (man denke nur daran, dass er sein Pferd als Senator ernannte!), für seine unnötigen Grausamkeiten als absolutistischen Herrscher. Seine Repräsentationsschiffe sollten keine gewöhnlichen sein, sondern mit Thermen, Tempeln, Mosaikböden, fein gearbeiteten Bronzestatuen und allen luxuriösen Details und Gegenständen versehen sein. Bereits zu Lebzeiten Caligolas dienten sie keinem besonderen Zweck, waren sie doch zu groß für den kleinen Lago di Nemi und erst recht für lange beschwerliche Reisen. Als Zeichen für den Sieg über die tyrannische Herrschaft des absolutistischen Kaisers und nach seiner Ermordung im Jahre 41 n. Chr. wurden die Schiffe im See versenkt und jahrhundertelang wurden Gegenstand des Vergessens, bis auf einige Funde, die sich immer wieder in den Netzen der Fischer verhakten. Bereits im 15. und 16. Jahrhundert unternahmen viele Humanisten, u.a. unter Francesco De Marchi zahlreiche, vergebliche Bergungsversuche, wobei erhebliche Teile der Schiffe zerstört wurden. In den Jahren 1827 und 1895 gab es erneut große Bergungsprojekte mit den unterschiedlichsten Methoden, wie z.B. einer riesigen gläsernen Glocke und Tauchermannschaften mit Bergungsplattform. Erst im Jahre 1928 hatte ein staatliches Projekt mit den Ideen verschiedener Ingenieure mehr Erfolg: es wurde ein 1653 m langer Tunnel durch das Lavagestein gegraben, um das Wasser aus dem See ins Meer zu leiten und so den Wasserspiegel zu senken. Mindestens 2 Jahre lang dauerten die Bergungsarbeiten der beiden Schiffe, um die dann 1929 das Museo delle Navi Romane (am Ufer des Sees) gebaut wurde, um die wertvollen, sehr gut erhaltenen Funde zu schützen. Ein weiteres Geheimnis bleibt auch die Zerstörung der Schiffe, durch ein Feuer im Jahre 1944. Man vermutet eine Bombardierung oder gar einen Akt von Vandalismus von Seiten der deutschen Truppen während des Zweiten Weltkrieges, doch eines steht fest: auf dem Grund des Sees wären sie sicherer gewesen!

Seit 1995 wurde die Vereinigung Associazione Dianae Lacus gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, eines der Schiffe in Originalgröße nachzubauen. Auch wenn es sich nicht mehr um die Originalschiffe handelt, so beherbergt das Museo delle Navi Romane eine Vielzahl an Originalfunden, Statuen und Bronzefiguren, die den Besucher ins Staunen versetzen. (www.comunedinemi.it)

Eine interessante Fotoausstellung mit Dokumentation bietet ebenfalls die Eingangshalle des Diana Park Hotels, dessen Besitzer Renzo Gabbarini und PR-Manager Paolo Carloni jederzeit (auch auf französisch und englisch) bereit sind, interessierte Touristen über die Geschichte der Schiffe und Umgebung aufzuklären und über Touren in der Umgebung zu beraten. Das 4-Sterne-Hotel mit herrlicher Panoramaterrasse mit Blick auf Nemi und den gesamten See, großem Park und hervorragendem Restaurant „Il Castagnone“ eignet sich als ideale Ruheoase und Ausgangspunkt für viele Besichtigungen in der Umgebung. Des öfteren werden Themenabende zur Kastanien- oder Trüffelzeit, sowie Bankette „Essen wie im antiken Rom“ mit authentischen Rezepten, Kostümen und entprechender Musik geboten. Da am Wochenende auf der Terrasse Live-Musik geboten wird, gilt das Restaurant als idealer Ort für romantische Abendessen bei frischen Fischgerichten und Weißwein DOC der Colli Lanuvini, ist jedoch auch durch seine großzügigen Räumlichkeiten Tagungsort für Kongresse und Seminare. (Via Nemorense, 44, 00040 Nemi, Tel.: 0039-06-9364041, Fax: 0039-06- 9364063, diana@isinet.it, www.hoteldiana.it)

Zu empfehlen sind auch die Ausgrabungsstätten der Villa Giulio Cesare und des Tempio di Diana (Führung nur für Gruppen und auf Reservierung bei Frau Eugenia Fragolini: Tel.: 0039-06-9398040) Interessant sind auch die Blumen- und Erdbeerfeste am ersten Wochenende im Juni, sowie der seit 1778 in Genzano an Fronleichnam veranstaltete kunstvolle Blumencorso „Infiorata di Genzano“, bei der Prozessionen und historische Umzüge in Kostümen auf einem kunstvoll angefertigten Blumenteppich, der einer Gemäldegalerie gleicht, stattfinden. Zwei Wochen um dieses Datum herum veranstaltet das Städtchen viele kulturelle Höhepunkte, doch wer nicht im Juni in Genzano weilt, kann sich ebenfalls im Museo dell’Infiorata in der Piazza Don Fabrizi informieren. Die Castelli Romani bieten gerade in den Sommermonaten eine Reihe von Konzerten und Festen. Als Souvenir sollte man sich unbedingt eine Kostprobe der berühmten Wurst von Ariccia, Schinkenspezialitäten und Spanferkelgerichte, dazu vielleicht ein deftiges Holzofenbrot aus Genzano mitnehmen!


Museo delle Navi. Foto: Fabrizio Cartocci
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