Die Glocken von Venedig

Ein Spaziergang im Viertel von San Polo, um die Werke von Tintoretto in der „Scuola Grande di San Rocco“ und die Kunstschätze in den Kirchen zu bewundern

Elvira D’Ippoliti

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Venedig – Punkt zwölf Uhr beginnen die Glocken der Kirchen im „sestriere“ (so werden in Venedig die Stadtviertel genannt) San Polo zu läuten. Ich interpretiere es als Einladung, diese ruhige Zone der Lagunenstadt und ihre Schätze zu erkunden. Natürlich gibt es in Venedig einige Pflichtbesuche, die man nicht ignorieren kann, aber die schönsten Erfahrungen kann man nur in den Vierteln sammeln, wo weniger Touristen zu finden sind. Es gibt tatsächlich Bewohner in Venedig, und die Alltäglichkeit in San Polo ist dieselbe, die man überall kennt: einkaufen, spazieren gehen, die Post verteilen. San Polo erreiche ich leicht vom Bahnhof Santa Lucia über die neue Brücke „della Costituzione“ und dann vom Piazzale Roma über eine kleine Brücke, die zum Garten „Papadopoli“ führt. Noch wenige Schritte in Richtung der „Scuola Grande di San Rocco“, und man kann sich in die Echtheit des „sestriere“ vertiefen: kleine Häuser, die manchmal von der Straße mit einem kleinen Hof getrennt sind, eine Bäckerei und mehrere „bacari“, jene typischen Lokale, wo man leckere Kleinigkeiten essen kann, begleitet von einem Glas Wein, der „ombra“. Hier in San Polo befindet sich das Lokal „Cantina Do Mori“, ein „bacaro“, wo auch Casanova, laut Legende, gerne verweilte.

Die weiße Fassade der „Scuola Grande di San Rocco“ sieht nicht wie ein klassisches Haus Venedigs aus: Acht Säulen und hohe Fenstern geben dem Gebäude eine majestätische Eleganz. Zwei immense Säle sind der Tradition nach der Kern der Institution, die nun ein Museum ist, wo man vor so viel Schönheit nur staunen kann. Tintoretto hat die „Scuola“ mit 56 Gemälde bereichert, aber daneben findet man auch Werke von Tizian und Tiepolo: Ein Besuch in der „Scuola Grande di San Rocco“ ist wirklich ergreifend. Dazu kommt die Kirche San Rocco, die sich auf demselben Platz befindet. Hier bewundert man unter anderem das Gemälde, auf dem Tintoretto in Bildern erzählt, wie der Heilige Rochus im Gefängnis von einem Engel getröstet wird. In einem neuen, von „Sky Arte“ produzierten Dokumentarfilm, der demnächst auch in Deutschland zu sehen ist, schildert man die mögliche Arbeitsmethode, wie Tintoretto seine Werke mit großer visionärer Wirkung ausstattete. Nach dieser Theorie konstruierte der Maler kleine Wachsfiguren, die er in einer Schachtel aufhängte, in die das Licht nur durch ein kleines „Fenster“ gelangte. Wenn man den Engel des Bildes in der Kirche anschaut, versteht man, wie modern und außergewöhnlich Tintorettos Werk tatsächlich ist.

Der schöne und emotionsreiche Spaziergang in San Polo ermöglicht es weiter, in diesem Viertel die Basilika Santa Maria ai Frari, eine Schatztruhe in einem fast überdimensionalen Gebäude, und die kleinere Kirche San Nicola da Tolentino zu besichtigen. Venedig ist, man muss es einfach gestehen, ein großes, wundervolles Museum und die „Scuola di San Rocco“ ein Konzentrat von Harmonie und Schönheit.

Info:

www.scuolagrandesanrosso.org

www.basilicadeifrari.it

12-02-2019

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